Anglizismen

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    Original von Spaceball


    "Handy" ist ein englisches Wort.


    Ist es nicht. "Handy" im Sinne von Telefon und "handy" im Sinne von praktisch sind strukturelle false Friends. Hinzu kommt, wie oben schon einmal erwähnt, dass die Bezeichnung "Handy" (=Telefon) ein pseudo-false-Friend ist: sprich, es wurde ein deutsches Wort kreiert, in der Annahme, dass in der Englischen Sprache die Bezeichnung für "transportable Telekommunikationseinheit" analog aus den Wortbildungselementen "Hand" + Wortbildungssuffix "-y" als Kennzeichnung eines abgeleiteten Substantivs, bzw. eines Konvertats mit Nullderivation von Adverb zu Substantiv vorliege. Und schwupps war das deutsche Wort "Handy" geboren. Sorry, dass ich da mal eben mit den ganzen Begriffen auf korinthenkackerische Art und Weise um mich werfen wuss, aber gelernt ist gelernt! (Ich hab mich für meine Prüfung vor ein paar Wochen mit 7 Arten unterschiedlicher false Friends rumplagen dürfen. Und ich meine zu behaupten, dass ich mich in der Beziehung recht erfolgreich geschlagen hab, die auseinander zu halten!)

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    Original von rita


    [...]analog aus den Wortbildungselementen "Hand" + Wortbildungssuffix "-y" als Kennzeichnung eines abgeleiteten Substantivs, bzw. eines Konvertats mit Nullderivation von Adverb zu Substantiv vorliege. [...]



    bitte waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaas? ?(


    Ich weiß nur eins: ich sag nie wieder "Handy"! Wenns sowas kompliziertes ist, ist es garantiert böse. :D

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

  • ...und erm, sorry, spaceball, aber die Bezeichnung "SMS" kennt in England, Kanada und den USA KEINER.
    Hier heißt's tatsächlich "text": "Text me", "You sent me a text [message]? I never received it." "Text 2222 to O2 to receive a free ring tone." (Hab mir gerade eine britische O2 Sim-Karte geholt um hier billiger telefonieren zu können, und werde von O2 gerade mit "Texts" zugetexet.....

  • Die Industrie hat sowieso einen rennen mit den Anglizismen. Ich mein wenn mein Schokoriegel "Extragross" ist, ess ich ihn auch. Der muss nicht "King Size" sein.


    Oder hier: Q-tips. Was soll das? Die Dinger gibts schon ewig, und bis vor kurzem sind wir auch mit dem Wort "Wattestäbchen" gut ausgekommen. Warum übernehmen wir plötzlich ohne jede Notwendigkeit ein englisches Wort.


    Die MacDonalds "Junior Tüte" war auch zu Deutsch. Das mussten sie dann irgendwann "Happy Meal" nennen. OK das ist ein Name, da können sie machen, was sie wollen.


    Warum werd ich überhaupt bei Burger King gefragt, ob ich 'Bacon' und will? Das heißt Speck- oder Schinkenstreifen. Nur weil man in der kanadischen FastFood Kette ist, muss man doch nicht so tun, als könnte man kein deutsch mehr. Echt das nächste mal wenn die das in Deutschland fragen, sag ich: "Ja bitte mit bacon, aber nur wenig onions und lassen Sie bitte die cucumber weg." Mal kucken was die dann sagen.


    Ne Auskunft gibts auch nicht mehr. Nur noch nen "Service Point".


    All diese Werbe Dinger regen mich noch viel mehr auf, als die Fachbegriffe. In der Werbung braucht man echt nicht lang zu suchen. Das nächste mal wenn Ihr sowas seht, fragt Euch mal, wie man es auf deutsch hätte sagen können, und dann warum man es nicht auf deutsch sagt. Viele Dinge hatten jahrelang deutsche Bezeichnungen und plötzlich war das nicht mehr up-to-date (ich musste einfach).


    Bei allem Zeifel: das ist für mich auf jeden Fall kein natürlicher Wandel der Sprache.

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

  • jaja ok ich sehe es ja ein: man kanns auch übertreiben. Da hast Du recht. Aber wenns schon immer eine deutsche Bezeichnung gab, und die funktioniert hat, braucht man es doch nicht zu ändern, nur damit es englisch ist. Da musst Du mir doch zustimmen, oder?

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.


  • Also meiner Erfahrung nach kennen die Englaender SMS gar nicht - hier heisst es einfach "Text" - ich habe am Anfang oefter SMS verwendet - und 99% der Leute wussten nicht wovon ich rede.


    Genauso kann man hier lange nach Q-Tips suchen - die heissen hier Cotton buds.


    Als ich hier ankam - habe ich oft Woerter benutzt von denen ich dachte sie seien in England gebraeuchlich - und die Leute wussten nicht wovon ich rede.
    Gut das es nicht Handy sondern Cell oder Mobile heisst, wusste ich vorher :)

  • Ok, hab mich gerade informiert, Spaceball hat in soweit Recht, als das "SMS" hier als Fachwort gebraucht wird, bei Leuten, die mit mobiler Telefonie zu tun haben, um eine Text nachricht von einer Bildnachricht zu unterscheiden (SMS vs. MMS). Aber nicht-Fachleute, also im normalen Sprachgebrauch, wird das nicht verwendet...

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    Original von moorschaf
    [...]


    Genauso kann man hier lange nach Q-Tips suchen - die heissen hier Cotton buds.


    [...]


    hier sagen sie schon Q-tpis. Das haben wir wohl aus Nordamerika importiert.

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

  • Q-Tips?? Das habe ich ja noch nie gehört.
    Auch andere Ausdrücke wie no go oder false friend, die ihr hier benutzt, sind mir noch nie untergekommen. Und es war mir auch nicht bewußt, daß es sich bei „Ich schätze …“ um einen Strukturanglizismus handelt. Ich sehe mal wieder, man lernt nie aus.
    Das Problem ist m.E. nicht, daß englische/amerikanische Wörter in die deutsche Sprache übernommen werden. Solche Vorgänge hat es immer wieder gegeben. Jemand hier fing an mit William und Harold und Hastings, im Englischen gibt es doch bis heute für so viele Dinge zwei Worte, eines mit germanisch-angelsächsischem Stamm und eines mit romanisch-französischem. Freedom und Liberty, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Aber wenn man eben gerade mittendrin ist in solch einem Prozeß, also in unserem Fall Übernahme englischer Begriff ins Deutsche, kann das schon recht nervige und zum Teil fast skurrile Züge annehmen. Man hat halt oft das Gefühl, daß es Überhand nimmt. Und ich bin auch nicht sicher, ob es wünschenswert ist, daß wir bald für viele Dinge einen – vermeindlich veralteten – deutschen und einen – ach so modernen – englischen Ausdruck haben.


  • Das war ich. :D bei "freedom" und "liberty" handelt es sich allerdings auch noch zusätzlich um strukturelle Synonyme. Das ist rein stilistisch etwas ganz anderes als die Bezeichnungstrennung von Tier und Mahlzeit. Während die Bezeichnungen im ersten Fall unterschiedliches Prestige in ihrer Verwendung besitzen, sind die Begriffe im zweiten Fall stilistisch unmarkert. Am besten erklärt sich dieses Phänomen mit einem deutschen Beispiel: "Hund" ist unmarkiert, "Köter" ist negativ markiert. "Semmel" und "Brötchen" sind beide unmarkiert und teilen sich eine konnotative Ebene: keiner der beiden Begriffe erwirkt positive oder negative Gefühle in ihrer Verwendung.


    Wer sich so richtig für die Herkunft diverser Wörter in der englischen Sprache und ihren vielen Varietäten interessiert, dem kann ich wärmstens Geoffrey Hughes' Buch Words in Time ans Herz legen.

  • Was mir gerade einfällt ... Finanzbuchhaltung hat jetzt auch ein Controlling. Ohne Controlling geht garnichts und die schimpfen auch, wenn man eine falsche Rechnung bucht!!


    Auch ganz groß! Der Blog ... ist das eigentlich nichts als ein Tagebuch?? früher hat man das Tagebuch nicht geführt, aber weil es Blog heisst, macht es "fast" jeder!!

    Gruß Uwe


    Ich kenne Gelbe, die mir für rote Scheine, grüne Olive auf dem Schwarzmarkt besorgen können :) :)


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    Original von Wölle
    Auch ganz groß! Der Blog ... ist das eigentlich nichts als ein Tagebuch?? früher hat man das Tagebuch nicht geführt, aber weil es Blog heisst, macht es "fast" jeder!!


    In ein Tagebuch lassen sich ja auch so schlecht Videos einfügen oder Links zu anderen Seiten setzen... ;)

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    Original von Wölle
    Auch ganz groß! Der Blog ... ist das eigentlich nichts als ein Tagebuch?? früher hat man das Tagebuch nicht geführt, aber weil es Blog heisst, macht es "fast" jeder!!


    Blog hat ja schließlich weniger mit Tagebuch (Diary) zu tun. Blog ist die Abkürzung von Weblog, also Logbuch fürs Internet. Ein Blog ist ja kein Tagebuch in dem geschrieben steht: "Liebes Tagebuch, heute habe ich meine 5 Katzen gefüttert. Allerdings muss ich gestehen das ich heute eine mit dem Auto...".


    cu, Spaceball

  • Ich hatte erst gestern eine Frau am Telefon, die meinte, sie hätte mir eine email "geforwarded". Obwohl ich wußte was gemeint war, hab ich mich ganz doof gestellt und gefragt, ob sie damit "weitergeleitet" meint.


    Als vor einigen Wochen ein Pharmavertreter ein medinzinisches Gerät brachte (ich arbeite in einem Krankenhaus), brachte er dazu ein "go pack". Auf meine Nachfrage, was das sei (wußte ich echt nicht), meinte er, "ein Rucksack".


    Mich regt es seit längerer Zeit sehr auf, daß immer mehr Begriffe, für die es sehr gut verständliche deutsche Worte gab, heute durch englische Begriffe ersetzt werden. Wozu soll das gut sein?
    Ich spreche sehr gern englisch, hab ich auch damals schon, aber ich finde, es geht in letzter Zeit einfach zu weit.
    Mich nervt es einfach nur und ich versuche auch immer, so weit ich kann, deutsche Begriffe zu verwenden.
    In den Medien hört man iimmer wieder englische Begriffe in Berichten, Nachrichten und Dokus - und das so selbstverständlich, daß ich manchmal das Gefühl habe, daß die Bevölkerung möglichst unauffällig dazu "erzogen/verleitet/dran gewöhnt" werden soll, in Zukunft ganz ins englischsprachige zu wechseln.

  • go pack?? ne das glaube ich jetzt nicht!!


    aber "geforwarded" ist eigentlich leider schon üblich!!


    Ich bin dafür das wie ein eigenes Amt gründen, welchen extra nach "deutschen" Wörtern sucht, wie es in Island schon gibt!!

    Gruß Uwe


    Ich kenne Gelbe, die mir für rote Scheine, grüne Olive auf dem Schwarzmarkt besorgen können :) :)


  • Das ist aber vollkommener Quatsch, Wölle. Nur weil ein Wort existiert, heißt es noch lange nicht, dass es auch verwendet wird. Sprache lebt und ihre Entwicklung ist nicht vorhersehbar. Tendenzen, ja, die kann man aus gegenwärtigem Gebrauch und diversen grammatikalischen, lexikalischen und phonetischen Phänomenen und noch vielem mehr ablesen, was Sprache ausmacht. Nur im Nachhinein kann man dann feststellen: die Tendenz hat sich zu einem festen Bestandteil der Sprache entwickelt. Mission accomplished. (Steinigt mich, ich habe etwas auf Englisch geschrieben!)


    Schau nach Frankreich. Da gibts schon seit ein paar Jahrhunderten ne Kommission "zum Schutz" der französischen Sprache. Und was hat es ihnen gebracht? Nix. Die Franzosen verwurschteln ihre Sprache genauso wie alle anderen Sprach-Völker. (Auch wenn Franzosen etwas konservativer erscheinen mögen, was Sprachentwicklung angeht, sie sind es nicht!)


    Desweiteren haben auch die Waliser eine Stelle in Cardiff/Caerdydd (welcher Name ist jetzt der richtigere, nach deiner Logik?), die jeden Monat eine Liste veröffentlicht, in der neue Wörter stehen, damit auch der Durchschnittswaliser in seiner Muttersprache (bzw. seiner ersten Fremdsprache) weiß, wie man "simsen" auf Walisisch sagt. Und was machen die "Eingeborenen"? Sie scheren sich nicht weiter drum und borgen sich frech das englische Substantiv/Verb und sagen "tekstio". Soviel zur Sinnigkeit solcher Linguistenbeschäftigungsmaßnahmen...

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    Original von rita
    [...]Auch wenn Franzosen etwas konservativer erscheinen mögen, was Sprachentwicklung angeht, sie sind es nicht![...]


    Sie sind es doch. Die Radiosender dürfen doch dort z.B. sogar nur ein nicht-französisches Lied in jeder Vierter- oder Halbenstunde spielen.



    Zwar hast Du Recht, dass das bei denen auch nicht klappt mit der 'Erhaltung' der Sprache. Aber sie strengen sich wesentlich mehr an als die Deutschen. Ob man das gut finden sollte sei mal dahingestellt.


    edit: beim zweiten Lesen Deines Beitrages ist mir aufgefallen, dass Du vielleicht eher von den Leuten, als von den Institutionen in Frankreich sprichst. Damit könntest Du Recht haben. Die Anstrengnungen kommen eigentlich nur von offizieller Seite.

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

    Edited once, last by Cpt Tuttle ().

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    Original von Cpt Tuttle
    Sie sind es doch. Die Radiosender dürfen doch dort z.B. sogar nur ein nicht-französisches Lied in jeder Vierter- oder Halbenstunde spielen.


    Eben. Mir geht es um die "Offiziellen" und deren Bestrebungen zum "Schutz" der Sprache. Als ob sich so etwas unter Naturschutz stellen liese. Das sind ja am Ende dann tatsächlich auch nur die Radiosender und Fernsehkanäle, bzw andere öffentliche Medien. Und die machen den Mist auch nur mit, weil sie sonst nur fette Bußgelder zu zahlen hätten. Am Ende spricht Otto-Normal-Franzose auf der Straße dann doch, wie es ihm passt. Jedenfalls hab ich noch keinen mit "Lehnwörter: Wir müssen draußen bleiben!"-Pflaster auf Mund gesehen, weil er am Tag mehr als drei Lehnwörter verwendet und er damit sein 24-Stunden-Limit ausgekostet hat... :D