Jörg Haider gestorben

  • Es wundert mich ja, das hierfür noch kein Thread eröffnet wurde. Aber wahrscheinlich haben die meistens Angst, das es wieder in unagenehme Diskussionen ausufert.


    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,583654,00.html


    Aber Totschweigen kann man ihn ja auch nicht. Ich persönlich konnte seine politische Meinung nie akzeptieren, aber anscheinend hat er in Österreich ja großen Rückhalt gehabt. Mit einer neuen Partei mal eben 11% zu holen ist schon bemerkenswert.


    Den Thread eröffne ich eigentlich aus einem ganz blödem Grund. Ich habe heute nacht geträumt, das unser Chef bei uns ins Büro kam und meiner Kollegin einen dicken Stapel Akten auf den Tisch legte, mit den Worten. " Die lagen noch bei dem Haider auf dem Schreibtisch, arbeitet sie die mal durch...". Schon blöd, was man so träumt.....

    "Ich glaube das kleine Scherzchen wurde soeben ins Fegefeuer verdammt"

  • Au weia. Du träumst ja genau so doofes Zeug wie ich. Du armer....
    Tja.... one down, many more to go, sag ich da noch...
    Weiß nicht, warum da alle so "betroffen" sind. Der war erstens kein netter Mensch und zweitens hat er sich ja selber umgebracht, in dem er mehr als doppelt so schnell wie erlaubt gefahren ist.

  • Seltsamer Traum!


    Ich hatte auch ueberlegt nen Thread zu eroeffnen, aber hatet keine Lust auf nervige Aufaelle und und und .... anyways - ich muss sagen, als ichs gelesene habe (wann war das) abends auf der sueddeutsche website war ich erst mal geschockt. Versteht das nicht falsch, aber ich war einfach geschockt, dass er ploetzlich einfach so tot ist.


    Und vielleicht mal etwas zu seinem Erfolg - ich glaub er hatte einfach Charisma und genug Selbstvertrauen und ich denk auch, dass er ein guter Politiker war -- er hat sich nur fuer die falschen Sachen eingesetzt. Versteht ihr, was ich meine - der Mann mit ner anderen Meinung und so weiter, ich denke, das haette echt was Grosses werden koennen.

  • Haider war kein zweiter Hitler. Haider war ein Politiker, der stark rechts orientiert war, ohne Nazi zu sein. Und er war ein charismatischer Redner, der wusste, wie er Themen populistisch darstellen kann. Es ist nichts anderes, als andere Politiker es auch machen.


    Ich war mit vielen seiner Handlungen und Ideen nicht einverstanden. Aber er hat sich davon abgesehen stark für Kärnten eingesetzt - die Trauer um ihn ist ja eindeutig Indiz dafür.


    Mein Beileid gilt seiner Frau, seinen Töchtern und vor allem seiner Mutter, zu deren 90. Geburtstag er fahren wollte.


    Birgit :


    Quote

    Der war erstens kein netter Mensch


    Ich bezweifle, dass wir als Außenstehende das beurteilen können.

    "Das ist die umfangreichste Arbeit meines Lebens. Aber ich gehe abends mit einem Lächeln ins Bett. Und das hat nichts damit zu tun, dass da meine Frau liegt." (Stefan Kuntz)

    Edited once, last by First-Lady ().

  • Hmmm, ich kannte Herrn Haider vor fast 20 Jahren persönlich, da ich sehr oft bei einem Kärntner Politiker der SPÖ zu Besuch war.
    Soooooviel Charisma, fand ich, hatte er gar nicht, jedenfalls früher nicht. So ein bisschen der große nette Junge mit dem Lachfältchen um die Augen, den man keinen Wunsch abschlagen kann, aber eben nicht sooo umwerfend, wie man meinen könnte. Vielleicht habe ich ihn aber auch damals schon zu kritisch gesehen.
    Er war immer sehr direkt und das hat mich immer gewundert, dass die Leute nicht verstanden haben, was der will. Oder nicht verstehen wollten. Mir war der Umgang unangehm. Ich mochte ihn nicht.
    Das er zu schnell gefahren sein soll passt zu ihm. So ein bisschen "hey, was soll mir schon passieren" Größenwahn hatte er sicher.

  • Ist mir klar.


    Scheint irgendwie ein Problem mit solch talentierten Leuten zu sein - die stehen meistens fuer die falchen Dinge ein und drehen dann schliesslich komplett durch.


    Irgendwie ist zu viel Erfolg und Ruhm auch nicht wirklich gut - egal welcehn Bereich du dir anschaust, ob Politik, Showgeschaefft, Manager, die meisten sind irgendwie durchgedreht und es gibt nur wenige, die es schaffen irgendwie "normal" zu bleiben - in ihren Ansichten, dem Leben und in ihrem Verhaeltnis der Welt und anderen Menschen gegenüber.

  • Entsetzt bin ich irgendwie nicht, geschockt irgendwie auch nicht, da man ja weiß wie es passiert ist. Wenn man bei Nebel und nasser Fahrbahn schneller als 140 fährt, da muss man schon sehr viel glück haben dass da nix passiert. Vor allem wenn nur 70 erlaubt sind.

  • Für mich ist das eine ganz komische Situation.
    Solange ich denken kann, habe ich Haider für seine rechtsradikale Position kritisiert. Ich konnte ihm als Politiker und Mensch absolut nichts abgewinnen. Für mich war jeder, der ihn gewählt hat, nicht ganz bei Sinnen.
    Aber als ich dann am Samstag die Nachricht las, war ich total geschockt!
    Keine Ahnung warum, aber mir tats plötzlich extrem leid um ihn...


    Tatsache ist, dass er die österreichische Politik geprägt hat wie kein anderer. Er war schon berühmt-berüchtigt für seine Ansichten, als ich noch ein Kind war und ich bin sozusagen mit ihm als Anti-Vorbild aufgewachsen.


    Er wird wohl vor allem den Kärntnern als Landeshauptmann fehlen, weil er dort auf dem sozialen Sektor viel getan hat, auch wenn es dem Bundesland dadurch heute wirtschaftlich teilweise schlechter geht als noch vor einigen Jahren. Er war halt Populist und wusste ganz genau, welche Knöpfe er drücken musste....


    Dazu kommt noch, dass mit H.C. Strache in den letzten Jahren ein noch viel schlimmeres Übel in der österreichischen Politik aufgetaucht ist. Verglichen mit ihm konnte man Haider fast noch in der rechten Mitte ansiedeln. Umso schlimmer, dass Strache bei der letzten Wahl extrem erfolgreich war, aber das ist ein anderes Thema.


    Wie auch immer... Haider war ein extrem talentierter Politiker, der wusste, wie er seine Ziele erreicht. Schade, dass er auf der falschen Seite stand.


    Seine Familie hat jedenfalls mein Mitgefühl.

    Sie gehören zur Army, Frank. Wenn ich Sie anritze, bluten Sie wahrscheinlich kakifarben.
    (Henry Blake)

  • Als ich das hörte dachte ich zuerst an Ian Stuard Donaldson (ehem. Sänger der Band "Screwdriver" und Begründer der "Blood & Honour" Bewegung in England bzw. GB) der auch bei einem Autounfall ums Leben kam, im Sinne von "Oh, schön die Nazis kümmern sich gut um sich selbst."
    Dann sah ich die Bilder von der Anteilsnahme der Bevölkerung, das änderte dann doch so mein Bild, meine Meinung über Haider, andererseits weiss ich ja selbst wie schnell man in die rechte Ecke gestellt werden kann, wenn man mal Wahrheiten ausspricht die nicht p.c. sind.

    Man kann die eigene Situation erst wirklich klären und die Ängste auflösen, wenn man sie fühlen kann, nicht aber in Diskussionen darüber. Erst dann hebt sich der Schleier, ...auf der langen Reise, die man angetreten hat.
    Alice Miller

  • Auch wenn ich Jörg Haider keine großen Sympathien zu Teil lassen kann, auf diese Art und Weise sollte kein Mensch sterben, ich bin da eh etwas empfindlich, was Verkehrsunfälle angeht!
    Aber letztendlich kann man wohl froh sein, das nicht noch mehr geschehen ist, denn wie heute bekannt wurde war er ja nicht nur viel zu schnell sondern hatte auch 1,8 Promille Alkohol im Blut.
    Wenn ich dann darüber nachdenke, was sonst noch hätte passieren können, und das bei diesem Unfall noch Unbeteiligte hätten sterben können packt mich doch wieder die Wut!

  • Sauber mit 1,8 Promille bei nasser Fahrbahn mit 140 durch 70er Zone. Ein Glück sind keine Unschuldigen getroffen worden. Auch wenn es natürlich für Angehörige hart ist, wenn ein geliebtes Mitlgied der Familie stirbt, aber für Haider selbst tendiert mein Mitleid gegen 0!


    Fahre auch oft genug schneller als erlaubt, auch wenn das Wetter mal nicht durch Sonnenschein glänzt, aber sicher nicht mit 1,8 Promille! Absolutes Unverständniss!

  • Auch auf die Gefahr hin, das ich nicht politisch korrekt bin, aber sein Tod löst bei mir nicht Betroffenheit aus.


    Nicht das ich es ihm gönne, aber bei mir überwiegt die Erleichterung, sich mit einem Idioten weniger auseinandersetzen zu müssen.


    Haider war ein Faschist und mir ist es egal ob man nur Gutes über die Toten sagen soll. Über den kann man nichts gutes sagen.


    Die Betroffenheit in Kärnten macht mich betroffen.


    Der hat das Land wirtschaftlich ruiniert, und gibt dafür den Ausländern, die ihren Teil am Bruttoinlandsprodukt leisten, die Schuld.


    Er besaß leider eine gewisse rhetorische Brillanz wie der Münchener Merkur treffend bemerkt. Und nur das macht die Faszination aus. Warum konnte er diesen Erfolg haben?


    Ich hab heute morgen an einem Golf GTI einen Aufkleber gelesen, der vllt passt.


    "Und schüß"


    Quote

    Münchner Merkur: «Naturburschen–Charme» »Jörg Haider war der beliebte Regierungschef des österreichischen Bundeslandes Kärnten, und er war ein skrupelloser Populist, der kein Zündholz in der Schachtel lassen konnte, selbst wenn er vor einem Heuschober stand. Haider provozierte wütende Kritik und kritiklose Verehrung; kalt ließ er niemanden. Sein Tod bedeutet für das Land eine Zäsur. Denn mit Haider hat der Rechtspopulismus in der Alpenrepublik das eingebüßt, was ihn so verführerisch, so wirkungsvoll und so gefährlich machte: Sein smartes, scheinbar ewig jugendliches Gesicht. Haiders Ex-Schüler, FPÖ-Chef Strache, hämmert zwar verbissen auf der Klaviatur ausländerfeindlicher Vorurteile herum, verfügt aber weder über die rhetorische Brillanz noch den Naturburschen-Charme seines Mentors.« (dpa)

  • Bin ja wirklich kein Haider Fan gewesen, aber den Dreck den Zeitungen wie die Bild jetzt wieder loslassen, ist schon ekelhaft. "Haider viel zu schnell", "Haider volltrunken", "Haider war zuletzt in Schwulenbar" usw. Und daneben zeigt man "tief bewegt" Bilder von der trauernden Familie.... Zum kotzen, aber nichts Neues!

    "Ich glaube das kleine Scherzchen wurde soeben ins Fegefeuer verdammt"