21. Türchen


  • 21.12.1952



    „Ja Klinger, woher haben sie denn die Tasse?“
    Hawkeye klopfte dem Kompanieschreiber freundschaftlich auf die Schulter.
    „Die“, antwortete der Kompanieschreiber lang gezogen.
    „Habe ich vorgestern vom großen Unbekannten bekommen.“
    Klinger strahlte stolz übers ganze Gesicht.
    „Es ist schon manchmal verwunderlich, wie klein und unbedeutend ein Geschenk sein kann und doch so viel Freude bereiten kann.“
    Potter klopfte sich zufrieden auf die Schenkel.
    „Aber das hier ist nicht nur eine Tasse! Das sind die Toledo Mud Hens. Das ist Toledo“, protestierte Klinger lautstark und hob die Tasse mit dem Abzeichen der Toledo Hens an seinen Mund und nippte daran.
    „Die schmeckt sogar nach Toledo.“
    BJ und Hawkeye schauten sich grinsend an, der Father schaute versonnen gen Himmel und Major Winchester versuchte wieder ein Mal so zu tun, als sei er in Wirklichkeit gar nicht hier. Alle waren bei guter Stimmung, allein Major Houlihan schien nicht wirklich glücklich.


    Es war der Abend des 20.12.1952 und Potter hatte seine Senioroffiziere zu sich ins Büro zitiert, um der bevorstehenden Weihnachtsfeier den letzten Schliff zu geben und um gemeinsam mit den anderen Charles doch noch dahingehend auszutricksen, dass er für alle den Weihnachtsmann spielen sollte. Die Stimmung war ausgelassen. Die Verwundeten, die in der letzten Woche andauernd eingetroffen waren und für unerträglich lange OP Sitzungen gesorgt hatten, waren größtenteils schon wieder im Feld, im Hospital in Seoul oder auf dem Weg nach Hause. Die Besprechung dauerte nicht weniger als anderthalb Stunden und endete damit, dass sich Charles schließlich doch breit schlagen ließ, den Weihnachtsmann zu mimen. Immerhin entband ihn das von der Pflicht, die Kinder aus dem Waisenhaus mit Spielen zu animieren, und das schien in seinen Augen das eindeutig größere Übel zu sein.


    „Ja, ich glaube, da haben wir nun alles beisammen“, schloss Potter und wandte sich dem Priester zu.
    „Oder haben wir noch etwas vergessen, Padre?“
    „Mulcahy legte den Zeigefinger an die Lippe dachte nach und antwortete schließlich.
    „Ich glaube wir haben alles beisammen. Das wird bestimmt eine wunderschöne Feier für die Kinder.“
    Der Father strahlte über das ganze Gesicht.
    „Ich danke Ihnen allen herzlich für ihren Einsatz.“
    Die anderen nickten dem Father zu. Hawkeye streckte sich genüsslich, was Potter zum Anlass nahm, die Runde offiziell aufzulösen. Man wünschte sich eine gute Nacht und einer nach dem anderen verließen sie das Büro. Gerade wollte Margaret sich verabschieden, als Potter sie zurückrief.
    „Ach, Major Houlihan, bitte bleiben sie doch noch einen Moment. Ich würde sie gerne noch allein sprechen.“


    Margaret rollte mit den Augen und blieb missmutig stehen, Diese ganze Geschichte mit Weihnachten ging ihr ziemlich an die Nieren. Gestern hatte sie einen Brief von Lorraine bekommen, die von ihrem neuem zu Hause erzählte, davon, dass sie Weihnachtsschmuck gekauft hatten und davon, wie sehr sie sich auf den ersten Weihnachtsbaum im eigenen Haus freute. Margaret gönnte ihr das alles von Herzen und dennoch versetzte ihr das tausend Stiche. Sie war hier, hatte nichts und das Schlimmste war, dass sie allein war. Sie fühlte sich wie so oft in ihrem Leben: ungeliebt und vergessen. Sogar der große Unbekannte konnte sie nicht leiden. Alle hatten ihr Geschenk bekommen und jetzt war schon bald Weihnachten und sie war mal wieder leer ausgegangen.
    „Verdammt“, dachte sie.
    „Jetzt nur nicht heulen.“


    Sie drehte sich zu Potter um, der sie besorgt und fragend anschaute.
    „Was ist los, Margaret?“
    „Nichts“, wehrte sie etwas schärfer ab, als beabsichtigt.
    „Das glaube ich Ihnen nicht. Sie machen ein Gesicht wie ein Sauertopf.“
    „Es ist wirklich nichts“, versicherte sie mit fester Stimme.
    Potter schaute sie weiter durchdringend an und Margaret rang sich, in der Hoffnung Potter los zu werden, ein Lächeln ab. Potter schwieg.
    „Colonel“, sagte sie schließlich betont müde.
    „Ich bin schrecklich müde und ehrlich gesagt habe ich ziemlich schlimme Kopfschmerzen. Ich würde gerne schlafen gehen.“


    „Eine kleine Notlüge“, dachte sie.
    „Aber lieber das, als Mitleid. Das könnte ich noch weniger ertragen.“
    Potter erkannte schnell, dass das Gespräch damit beendet war, auch wenn er ihr das mit den Kopfschmerzen nicht ganz abnahm. Sie verabschiedeten sich und Margaret überquerte schnellen Schrittes den Vorplatz. Heiße Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie stürmte in ihr Zelt, zog sich aus und warf ihre Kleider unachtsam in die Ecke und verkroch sich dann in ihr Bett. Leise weinte sie sich in den Schlaf.


    Am nächsten Morgen wurde Hawkeye von einem Kissen, das auf sein Gesicht geworfen wurde, geweckt. Schlaftrunken richtete er sich auf und schaute in die leicht genervten Augen von BJ Hunnicutt. Dieser hatte sich die Hände in die Hüften gestemmt und schaute seinen Mitbewohner böse an.
    „Weißt du wie spät es ist“, fragte er ungehalten.
    Hawkeye blinzelte verschlafen.
    „Du hättest mich schon vor einer halben Stunde auf der Wachstation ablösen sollen“, brummte der Mann aus Kalifornien.
    Hawkeye blinzelte noch einmal, drehte sich zum Wecker und stellte fest, dass er tatsächlich gehörig verschlafen hatte. Er setzte sich auf, zog sich seinen Bademantel über die Uniform die er gestern Abend wohl vergessen hatte auszuziehen, brummte eine Entschuldigung, schob sich eine Mütze auf den Kopf und vervollständigte seine Kleidung sicherheitshalber noch mit einem Parka. Als Hawkeye schließlich schlurfend den Sumpf verließ, hatte BJ sich schon lang gelegt und die Augen geschlossen.


    Gerade als er an Major Houlihans Zelt vorbei schlich, ertönte ein schriller Schrei, der Hawkeye durch Mark und Bein fuhr. Ohne zu zögern oder auch nur eine Sekunde nachzudenken oder etwa daran zu denken anzuklopfen riss er die Tür des Majors auf und erstarrte. Vor ihm stand ein eher leicht bekleideter Major. Er musterte sie von oben bis unten. Sie trug ein knappes Seidenachthemdchen, darüber einen Morgenmantel, den sie aber nicht geschlossen hatte und ihre Füße steckten in dicken wollenen Socken. Hawkeye schmunzelte. Weit von sich gestreckt hielt sie eine seidene Strumpfhose. Die beiden starrten sich an und Hawkeye, dessen Blick immer wieder an ihr auf und abwanderte grinste genüsslich und versuchte immer wieder ihre Augen und nicht andere, mehr verlockendere Stellen ihres Körper zu betrachten.


    Als Margaret gewahr wurde, dass sie quasi halbnackt da stand, stieß sie einen weiteren Schrei aus, raffte ihren Mantel zusammen und schaute Pierce scharf an.


    „Perversling“, zischte sie zwischen ihren Lippen hervor.
    Hawkeye zuckte entschuldigend mit den Schultern und schaute sie genervt an.
    „Ich sehe schon, hier wird wohl doch kein Ritter gebraucht. Ich nahm an, die holde Jungfrau sei in Not.“
    Hawkeye lächelte sie verschlagen an.
    „Das war ein Freudenschrei“, entgegnete sie trocken.
    „War es“, fragte Hawkeye und zog die Augenbrauen nachdenklich nach oben.
    „Ja!“
    „Für mich hat es sich dennoch gelohnt. Ich muss schon sagen, Hotlips. Du hast ganz schön was zu bieten.“
    Margarets Blick verfinsterte sich. Sie hob drohend die Faust.
    „Raus“, sagte sie dunkel.
    „Oder ich vergesse mich.“
    Hawkeye trat einen Schritt zurück, verneigte sich leicht und machte dann auf den Hacken kehrt. Margaret blickte schnell nach rechts und links. Erst als sie sich vergewissert hatte, dass wohl niemand den Vorfall bemerkt hatte, atmete sie erleichtert auf, schloss die Tür und wandte sich wieder ihrem Geschenk zu.


    Zärtlich befühlte sie den Stoff der Seidenstrumpfhose, die sie aus dem Paket mit der roten Schleife gepackt hatte. Die Hose war wirklich wunderschön und Margaret überlegte, wann der nächste Anlass kommen würde um so eine Hose zu tragen. Eigentlich wäre sie mal wieder an der Reihe ein paar Tage Urlaub in Tokio zu bekommen und dann, dann würde sie natürlich als erstes einen Schönheitssalon aufsuchen und sich so richtig verwöhnen lassen. Sie setzte sich wieder vor ihre improvisierte Spiegelkommode und zog den maschinengeschriebenen Brief unter der roten Schleife vor.



    Bald schon ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit
    Dann ist der Weihnachtsmann gar nicht mehr weit


    Seht nur der Alte steht draußen am Tor,
    Mit seinem Schimmelchen steht er davor.


    Apfel, Nuss, Mandelkern, Trauben Korinth
    Alles das bringt er dem artigen Kind.







    ..
    T.B.C.


    >>> Nächstes Kapitel




  • hi hi --- Kitty hats erfasst!


    Stellt euch eine Liebesszene mit Hawk und MAgs vor: er in Longjohns und sie in Seide!!!
    :D :D :D :D :D :D :D



    Und ja - die Wollsocken mussten sein, schliesslich wars draussen in den anderen Kapiteln ja bitterkalt und ist doch ne schoene Kombination!!
    :D :D :D :D :D :D :D



    Danke fuer euer Feedback!

  • Aber nicht richtig also ... Gesternabend, nachdem ich zwei Stunden lang Geschenken eingepackt habe, fiel mir Radar noch ein. Der weiss ja genau Bescheid was ein jeder so gebrauchen kann, kennt sich mit dem langsamen Postweg aus und wäre doch ein schönen Gruss aus der Heimat. Allerdings müsste er dann einen Helfself haben um alles zu verteilen, hmmmm ...


    Oder doch einen Himmelskind? :D