24. Türchen



  • 24.12.1952




    Dem außenstehenden Betrachter gaben die Personen, die sich zur späten Abendstunde im Messezelt versammelt hatten, ein erbärmliches Bild. Das 4077te hatte den 24ten vor allem damit verbracht, den nächsten Tag vorzubereiten: Weihnachten! Auf den Tischen lagen weiße Tischtücher. Dem etwas näher hinsehenden Betrachter fiel auf, dass es sich dabei um Laken handelte. Ein Nadelbaum war mit Popcorn, roten Quasten und weiß-rot gestreiften Zuckerstangen schmückt. Niemand wusste, wie der Father diese organisiert hatte, aber schließlich war das ja auch nicht wichtig. Außerdem hatte der Father jeden nicht eher in Ruhe gelassen, ehe nicht auch der Untalentierteste einen Stern gebastelt hatte. Nun hingen Strohsterne, Papiersterne und sogar ein Schraubenstern, den Rizzo gebastelt hatte, am Baum und gaben dem Selben eine besonders extravagante Note. Und unter dem Baum warteten unzählige kleine und große Geschenke darauf von den Kindern und den Kindgebliebenen aufgemacht zu werden.


    Klinger saß breitbeinig auf der Bank und hatte seinen Kopf auf seine Hand gestützt. Als Mulcahys rechte Hand bei den Vorbereitungen hatte er schier Unglaubliches geleistet und für jedes Waisenkind, das kommen sollte, einen warmen Schal und eine hoffentlich ebenso warme Mütze besorgt. Zusammen mit der warmen Mahlzeit und vielen Spielen hofften sie das sonst so kalte Leben dieser Kinder ein wenig zu erwärmen. Nur mühsam gelang es Klinger seine Augen offen zu halten. Aber die anderen sahen auch nicht viel besser aus.


    BJ versuchte zum vielleicht hundertsten Mal den Stern so nachzufalten, wie Mulcahy ihm das gezeigt hatte. Der Father schüttelte lächelnd den Kopf. Wie konnten so talentierte Chirurgenhände nur so ungeschickt sein und nicht einmal diesen einfachen Stern falten können. Er hielt BJ die offene Hand hin. Dieser blickte von dem traurigen Papierknäul in seinen Händen auf in die hellen Augen des Padres und gab ihm bereitwillig seinen Versuch einen Stern zu basteln und verfolgte dann erstaunt, wie der Father mit zwei Handgriffen das Chaos beseitigte und nach weiteren drei Handgriffen der Stern fertig war.


    Margaret hatte das Kinn in die Hand gestützt und klopfte mit der anderen Hand ungeduldig auf dem Tisch herum. Charles stand, an eine Säule gelehnt, da, starrte in die Ferne und tat wie immer so, als würde ihn das hier nichts angehen, ja als wäre er nicht mal hier. Potter lief derweilen zischen den Reihen auf und ab. Und schaute immer wieder genervt zu Margaret, woraufhin die immer wieder das Trommeln der Finger auf den Tisch kurz unterbrach um wieder damit anzufangen, sobald er ihr den Rücken zudrehte.


    „Verdammt“, sagte Potter als er mal wieder stehen geblieben war um die versammelte Mannschaft zu betrachten. Klinger schrak aus seinem Halbschlaf hoch und schaute den Colonel verwirrt an.
    „Wo bleibt Pierce nur?“
    Potter schaute BJ scharf an, doch der zuckte nur entschuldigend mit den Schultern und drehte seine Handflächen nach außen.
    „Und was will er eigentlich“, fragte Margaret.
    Charles rollte mit dem Augen.
    „Wie ich Pierce kenne, wir das hier wieder so ein Kinderstück. Allein wie er uns gebeten hat, uns alle hier einzufinden. Da ahnt man doch nur wieder einen dummen Kinderstreich. Ich habe nun eine viertel Stunde auf den Mann gewartet. Ich gehe!“
    Charles löste sich von seiner Zeltstange und wollte gerade in Richtung Tür gehen, als diese schwungvoll aufgestoßen wurde und der Chefchirurg des 4077ten in einer skurrilen Verkleidung erschien.


    Theatralisch trat er, einen braun- karierten halblangen Überwurf auf den Schultern und eine seltsame Mütze auf dem Kopf ein. Charles trat einen Schritt zurück und lehnte wieder gegen die Zeltstange. Potter wollte einen Schritt auf Pierce zugehen, um ihm ordentlich die Leviten zu lesen, aber Pierce streckte abwehrend seine Hand aus und lies den verdutzen Potter stehen. Er zog eine Zigarette aus seinem Umhang, zündete sie an und sog den Rauch tief ein, worauf er zu husten anfing, was allen anderen ein hämisches Grinsen aufs Gesicht zauberte. Pierce zwinkerte allen zu. Potter setzte sich. Anscheinend hatte es keinen Sinn vernünftig mit dem Mann zu reden und sie würden die Sache alle schneller hinter sich gebracht haben, wenn er ihn gewähren ließ und alle mitspielten. Hawkeye ging einige Schritte vor und zurück, baute sich vor den anderen und legte sich entschlossen die Hände in die Taille.


    „Ich habe sieh heute alle hergebeten um den geheimnisvollen Ereignissen auf die Spur zu kommen, die sich in den letzen Wochen hier im Camp ereignet haben.“
    Er hielt inne und schaute auf den Boden um sich offensichtlich zu sammeln. Plötzlich blickte er wieder auf und hatte seine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger ruckartig nach oben schnellen lassen und sagte mit lauter Stimme.
    „Und den Täter zu Enttarnen!“
    „Also mir reicht das“, sagte Charles genervt und löste sich wieder von seiner Zeltstange.
    „Ich muss mir diese schlechte Sherlock Holmes Imitation nicht antun. Ich gehe!“
    „Halt“, rief Pierce theatralisch.
    Charles drehte sich langsam zu Pierce um, schaute ihm in die Augen und schüttelte dann den Kopf.
    „Ich gehe.“
    Pierce Mund verzog sich zu einem manischen Grinsen. Er neigte sich zu Charles hinüber und flüsterte so, dass es alle hören konnten.
    „Sie waren es sowieso nicht.“
    „Wie richtig“, antwortete Charles trocken, drehte sich um, nickte in die Masse, wünschte allen eine gute Nacht und verschwand.


    „Sonst noch jemand“, fragte Pierce durch die Nase, schwang seinen Umhang lässig über die Schulter und schaute dann jeden eindringlich an.
    Potter rollte mit den Augen.
    „Pierce“, sagte er ein wenig genervt.
    „Nun machen sie schon hin. Alle sind müde und morgen haben wir zwar einen hoffentlich schönen, aber auch einen langen Tag vor uns und Klinger hier schläft schon mehr als wach zu sein.“
    Pierce zog die Augenbrauen nach oben und sog noch einmal an seiner Zigarette. Potter rollte mit den Augen und tippte Klinger an die Schulter. Pierce war ein guter Kerl, aber wenn er sich einmal was in den Kopf gesetzt hatte, dann war Hopfen und Malz verloren. Außerdem hatte er selbst auch noch nicht aufgegeben den großen Unbekannten enttarnen zu können, war aber selbst keinen Schritt weiter gekommen. Vielleicht hatte Pierce ja tatsächlich mehr Glück gehabt. Pierce schaute fragend zu Potter hinüber und der gestikulierte ihm zu beginnen.


    „Seltsame Dinge geschahen in den letzten Tagen im Camp. Ein bisher Unbekannter oder ein Unbekannte geht im Camp umher und verschenkt Kleinigkeiten, die unser Leben angenehmer machen und uns erfreuten und erfreuen. Alles fing damit an, dass unser hoch verehrter Colonel Potter“, Pierce drehte sich zu Potter, streckte die Hand aus und verneigte sich ehrfürchtig.
    „Dass Colonel Potter mit Honig und Zane Grey überrascht wurde. Andere sollten folgen, bis zuletzt Miss Margaret Houlihan, ihres Zeichens Majors vor wenigen Tag auch noch ihr Geschenk erhalten hat, über das sie sich ausschweigt, das ich aber schon sehen durfte.“
    Er war auf Margaret zugegangen und beugte sich nun tief zu ihr hinunter und flüsterte schwärmerisch.
    „Und nicht nur das durfte ich sehe.“
    Margaret lief hoch rot an und blinzelte ihn scharf an. Dann blickte sie sich kurz um, aber die anderen schienen nichts gehört zu haben. Pierce hatte sich auch schon wieder aufgerichtet und lief, wie Potter zuvor, zwischen den Tischen auf und ab, zog an der Zigarette, was ihn abermals husten lies und fuhr dann fort.


    „Alle Geschenke waren sehr persönlicher Natur und jeder Beschenkte verband etwas Persönliches damit. In BJs Fall beispielsweise musste unser Unbekannter oder unsere Unbekannte Kontakt zu seiner Frau aufgenommen haben, was den Kreis der Verdächtigen wiederum verkleinerte, denn die Person musste zumindest an BJs Heimadresse kommen.“
    Hawkeye Blick wanderte zu Potter. Der Rest der Versammelten folgte seinem Blick und starrte den Kommandanten erwartungsvoll an. Dieser hob schnell die Hände und schüttelte den Kopf.
    „Ich wars nicht!“
    „Das weiß ich“, antwortete Hawkeye schnell.
    „Denn sie konnten es gar nicht gewesen sein!“
    „Konnte es nicht gewesen sein?“
    BJ schaute Hawkeye fragend an.
    „Warum nicht?“
    „Weil“, begann Hawkeye.
    „Die betreffende Person wusste, dass ich im ersten Winter meine Longjohns, na sagen wir mal, verloren hatte, und das wussten weder der Colonel, noch Charles, noch du.“
    Er wandte sich an den Father.
    „Ich hatte lange sie in Verdacht, Father, aber auch sie konnten es nicht gewesen sein, denn sie waren an zwei Tagen, an denen die mysteriösen Geschenke auftauchten nicht im Camp und dass sie einen Helfershelfer gehabt hatten glaube ich nicht. Die doppelte Unsicherheit ertappt zu werden hätten sie nicht riskiert. Und sie hätten die Geschenke auch an anderen Tagen ausliefern können. Damit bleiben..“


    „Potzblitz Klinger“, rief Potter, sprang auf und schlug sich mit der Faust in die Hand.
    „Sie sind der geheimnisvolle Schenker.“
    „Halt“, rief Hawkeye und hob mahnend den Zeigefinger.
    „Klinger war es nicht. Major Houlihan ist die Heimlichtuerin“
    Alle Augen wanderten zu Margaret, die verwirrt den Kopf schüttelte. BJ und Potter waren aufgestanden um den Major freundschaftlich auf den Rücken zu klopfen, doch diese befreite sich rau von den beiden.
    „Ich war es nicht!“
    Hawkeye sah sie erstaunt an, dann grinste er und zwinkerte ihr zu.
    „Leugnen ist zwecklos Major.“
    „Ich war es nicht“, sagt Margaret betont langsam.
    Hawkeye trat vor sie, schaute ihr tief in die Augen.
    „Doch.“
    Sie schüttelte den Kopf.
    „Nein.“
    „Nein“, fragte Hawkeye endlich verwirrt und schüttelte seinen Kopf.
    „Ich war es nicht. Und überhaupt, warum konnte es Klinger nicht gewesen sein?“


    Alle Augen waren auf Hawkeye gerichtet, der nur den Kopf schüttelte, weil er nicht begreifen konnte, dass die anderen das Offensichtliche nicht sahen.
    „Warum war es nicht Klinger“, fragte nun auch Potter.
    „Ja, warum war ich es denn nicht“, hatte sich nun auch Klinger zu Hawkeye geneigt.
    „Weil Klinger sich nie in das Zelt des Majors gewagt hätte um das Geschenk zu platzieren. Nicht nachdem, wie unsere allseits geliebte Oberschwester beim letzten und vorletzten Mal auf Klingers unangekündigten Besuch reagiert hatte. Ich glaube Klinger wäre lieber ins Mienenfeld gelaufen als noch einmal Margarets Tür aufzumachen. Und einen anderen hätte er auch nicht beauftragen können. Schließlich begibt sich niemand gerne in Lebensgefahr.“
    Klinger nickte heftig.
    „Es bleibt also nur Major Houlihan.“
    Alle neigten sich erneut zu Margaret. Margarets Blick verfinsterte sich.
    „Ich war es nicht!“


    „Was war sie nicht“, ertönte eine Stimme von irgendwo aus dem Raum.
    Alle wandten sich um und sahen, wie Igor mit der Tür in der Hand halb im Zelt, halb in der Kälte stand. Er grinste und trat ein.
    „Oh, Doktor Pierce, ich habe geahnt, dass wie wieder Sherlock Holmes spielen würden, aber ich glaube es ist nun an der Zeit, den wahren Initiator dieses Theaters zu offenbaren.“
    Alle blickten den Küchenmenschen verwundert an. Igor zog einen Brief aus der Tasche, drückte ihn Potter in die Hand und verneigte sich mit einem „Gute Nacht Gentleman“, bevor er das Messezelt wieder verließ. Verwirrt schauten sie ihm nach und starrten dann Potter und den Briefumschlag an. BJ reagierte als erster und versuchte Potter den Umschlag aus der Hand zu ziehen, aber Potter war schneller und ließ den Umschlag schnell hinter seinem Rücken verschwinden. Er wich einen Schritt zurück, sprang auf die Bank hinter sich und rief streng „Hinsetzen!“. Er hatte seinen strengsten Gesichtsausdruck aufgesetzt. Zögernd setzen sich alle wieder auf ihre Plätze.


    „Ich werde den Brief jetzt aufmachen und vorlesen und ihr werdet alle brav sitzen bleiben.“
    Potter riss den Umschlag auf und zog einen maschinenbeschriebenen Papierbogen heraus, entfaltete ihn. Sein Blick wanderte zuerst nach unten. Plötzlich fing er herzlich an zu lachen.
    „Er ist von Radar!“
    „Radar“, riefen BJ und Klinger gleichzeitig und lachten los.
    „Radar“, fragte Hawkeye ungläubig und schüttelte den Kopf.
    „Was hat er geschrieben“, fragte der Father ungeduldig.
    Potter nickte, hob das Blatt Papier und begann zu lesen.


    „Liebe MASHler,


    Morgen ist Weihnachten und weil Weihnachten in Korea nicht leicht ist, hoffe ich, dass euch meine Geschenke gefallen haben. Igor hat mir geholfen meinen Plan durchzuführen. Ich glaube Captain Pierce hat wieder seine Sherlock Holmes Nummer abgezogen. Lag er richtig? Schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Nein, das heißt nicht, dass ich lieber in Korea wäre. Aber ich vermisse euch dennoch. Sogar Major Houlihan. Ich muss weiter arbeiten. Vielen Dank für Park Sung. Er lässt euch alle grüßen.
    Frohe Weihnachten euch allen.
    Und hoffentlich ist der Krieg bald vorbei.
    Euer Walter – Radar – O’Reilley.“


    Potter schüttelte den Kopf.
    „Dieser Radar.“
    Alle sahen sich an. Der Father und Potter hatten Tränen in den Augen und auch BJ schien etwas ins Auge geflogen zu sein. Hawkeye nickt stolz.
    „Radar, du kleiner Teufel“, sagte er leise und schüttelte anerkennend den Kopf.
    „Radar!“ sagte Mulcahy.
    Langsam nahm das Kopfschütteln ab und wurde von herzlichem Gähnen abgelöst. Mulcahy war der Erste, der ein „Gute Nacht“ in die Runde rief. Einer nach dem anderen folgte dem Father. Hawkeye lehnte an einem Zeltpfosten und las noch einmal in Gedanken versunken Radars Brief und schüttelte seinen Kopf. Dieser Radar war einfach unglaublich. Als er schließlich wieder aufsah hatten alle bis auf Margaret den Raum verlassen, doch die schien die Welt um sich auch nicht wahr zu nehmen. Sie saß auf einer Bank und starrte, die Stirn tief in Falten gelegt, Löcher in die Wand.


    Hawkeye sprach sie vorsichtig an, aber sie schien ihn gar nicht wahr zu nehmen. Er ging zu ihr hinüber und setzte sich ihr gegenüber. Als er in ihr Blickfeld rutschte, schien sie wie aus einer anderen Welt wieder zurück in die Realität zu kommen. Sie schwieg und auch er wusste im ersten Moment nicht, was er sagen sollte. Irgendein dummer Spruch, wäre ihm beinahe über die Lippen gekommen, aber er wollte sie nicht ärgern und schon gar nicht verletzen, nicht nachdem sich ihr Verhältnis dahin entwickelt hatte, wo es sich eben hin entwickelt hatte. Wo genau das war und was er davon halten sollte und wollte wusste er selbst nicht so genau, aber unangenehm war es ihm nicht. Endlich fiel ihm etwas einigermaßen Harmloses ein. Er hoffte nur, dass sie es nicht in den falschen Hals bekommen würde.


    „Na, gar nicht müde“, fragte er so harmlos als möglich und konzentrierte sich dabei vor allem darauf ihr bei dieser Frage nicht zu zuzwinkern.
    Margaret schüttelte, in Gedanken offensichtlich noch immer sehr weit weg von ihrem Gegenüber mechanischen den Kopf. Hawkeye kniff die Augenbrauen zusammen und schaute ihr tief in die Augen. Sie hielt seinem Blick nicht lange stand, schlug die Augen nieder und begann auf ihrer Unterlippe zu kauen. Hawkeye musste ob dieser, wie er fand niedlichen Geste, unwillkürlich lächeln. Margaret starrte auf die Tischplatte. Plötzlich stemmte sie ihre Hände auf den Tisch und erhob sich entschlossen.
    „Gute Nacht, Captain.“
    Hawkeye schüttelte verwundert den Kopf. Er wollte nach ihrem Arm greifen, war aber zu langsam. Er stand auf und stieß die Bank zurück.
    „Was ist los Margaret?“
    Sie antwortete nicht, aber zumindest ist sie stehen geblieben. Hawkeye atmete auf. Er schloss zu ihr auf, blieb hinter ihr stehen und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Noch immer schwieg sie. Hawkeye beugte sich nach vorne und konnte sehen, dass sie mit Tränen kämpfte.
    „Was ist los“, fragte er sanft.
    Sie drehte sich langsam um, sah ihm in die Augen und fragte.
    „Bin ich wirklich so schlimm?“
    Hawkeye sah sie fragend an. Er legte seinen Kopf schief. Sie starrte ihn nur an.
    „Was meinst du?“
    „Bin ich wirklich so schlimm“, fragte sie erneut.
    „Wie schlimm?“
    Margarets Gesichtsausdruck wurde immer verzweifelter. Sie wich ihrem Blick aus, dann schaute sie ihm wieder direkt in die Augen.
    „So schlimm, dass sich alle vor mir fürchten.“
    „Was“ fragte Pierce erstaunt.
    „Wer sagt denn so was?“
    Margaret schaute ihn verständnislos an.
    „Du hast das gesagt!“


    Damit drehte sie sich um und wollte zur Tür stürzen, aber Hawkeye war diesmal schneller. Er reagierte gleich und noch ehe sie die Tür aufmachen konnte, hatte er ihren Arm fest gegriffen und sie zu ihm gedreht. Sie starrte auf ihre Schuhspitze und Hawkeye konnte sehen, wie ihr Tränen über die Wangen liefen.
    „Margaret“, sagte er sanft, ja flüsterte er beinahe, doch sie reagierte nicht und starrte nur weiter auf den Boden.
    Er ließ sie los, doch sie reagierte noch immer nicht.
    „Es tut mir leid“, sagte er schließlich.
    Margaret schaute ihn erstaunt an. Eine Entschuldigung von seinen Lippen, das war garantiert nicht etwas, was sie jeden Tag erlebte oder erleben würde.
    „Ich hätte so etwas niemals sagen dürfen“, fuhr er fort.
    „Dein Temperament ist feurig und manchmal bist du ein bisschen unberechenbar, aber niemand hat Angst vor dir. Du bist eine liebevolle, fürsorgliche und kluge Frau und eine gute Freundin und“, er zögerte, „mein liebster Offizier in der gesamten Army.“
    Margaret musste unwillkürlich Lächeln. Er lächelte zurück und nickte ihr zu. Plötzlich verwandelte sich sein Lächeln in ein manisches Grinsen.
    „Major-Baby“, er blinzelte ihr verschwörerisch zu.
    „Ich glaube ich muss dich jetzt küssen.“
    Sie folgte seinem Blick nach oben und lachte, als sie den Mistelzweig sah. Hawkeye schaute sie erneut fragend an, denn er wollte sie auf keinen Fall gegen ihren Willen küssen. Sie schob sich ein bisschen näher an ihn heran und mit einem Mal berührten sich ihre Lippen. Keiner wusste mehr, wie es passiert war, oder wer angefangen hatte, aber da standen sie nun unter dem Mistelzweig am Vorweihnachtsabend und küssten sich mit einer Leidenschaft, als hätten sie wochen-, ja monatelang aufeinander gewartet.


    Als sie schließlich von einander abließen standen sie nur da und starrten sich an.
    „Komm, ich bring dich ins Bett“, ergriff Hawkeye schließlich das Wort.
    Sie rollte mit den Augen, ließ ihn aber seinen Arm um ihre Schulter legen und sich zu ihrem Zelt führen. Je näher sie dem Zelt kamen, desto zögerlicher wurden ihre Schritte. Sie wussten beide, dass nichts geschehen würde. Nicht heute Nachte. Und, dass es richtig und gut so war, und doch, tief in ihren Herzen wünschten sie, dass da mehr wäre. Als sie ihr Zelt erreicht hatten nahm er seinen Arm von ihren Schultern. Sie griff nach der Tür.
    „Margaret“, flüsterte er.
    Sie drehte sich um.
    „Gute Nacht“, hauchte er und küsste sie sanft auf die Stirn.
    „Gute Nacht und Frohe Weihnachten“, sagte sie und lächelte ihn sanft an.
    Er nickte.
    „Frohe Weihnachten.“






    ENDE





    Und euch allen Frohe Weihnachten!!

  • Wirklich sehr schön! Ein wunderschönes letztes Kapitel für den heiligen Abend!
    Radar hat sich ja wirklich große Mühe gemacht und für alle das richtige ausgesucht - an ihn hatte ich trotzdem nicht gedacht!

  • Eine ganz, ganz tolle Geschichte und ein schönes Ende.


    Ich hatte irgendwie gehofft, dass es Radar war, auch wenn er weit weg ist. Er ist einfach mein Liebling und es passt auch sehr gut zu ihm. Ich fand schon so knuffig, wie er in der einen Geschichte mal für Charles diese Mütze aus Kindertagen besorgt hat. Er ist eben die Seele der Kompanie, immer noch.


    Danke Major!!!! War ein toller Weihnachts-Mehrteiler. Wie in den guten alten Zeiten, als wir im ZDF Anna, Silas oder Thimm Thaler geguckt haben. =)

  • Einfach nur klasse die Geschichte, vom ersten bis zum letzten Zeichen.
    Hat mir richtig Spaß gemacht die zu lesen.
    Und das Ende ist einfach nur schön, danke major für diese tolle Geschichte

  • Suuuper. *seufz*


    *träne wegwisch*


    Ich hatte Radar zwischendurch mal kurz im Verdacht, dann war er aber wieder weg, dieser Verdacht. Sehr spannend. Ich hab mich vorhin auf der Rückfahrt von der Familienweihnachtsfeier dabei ertappt, wie ich dachte, als erstes musst du zu Hause die Auflösung aus der Adventsgeschichte lesen!!!!

  • Danke euch allen! Es war mir auch wieder eine Freude das zu schreiben!!


    Und ja ja ja ... schon schlimm diese MASH Familie. Die laesst einen gar nicht mehr los! Ich mus hier ja auch staendig mal reinschauen! *kopfschuettel*

  • Quote

    Original von Dutch Lion ... Gesternabend, nachdem ich zwei Stunden lang Geschenken eingepackt habe, fiel mir Radar noch ein. Der weiss ja genau Bescheid was ein jeder so gebrauchen kann, kennt sich mit dem langsamen Postweg aus und wäre doch ein schönen Gruss aus der Heimat. Allerdings müsste er dann einen Helfself haben um alles zu verteilen, hmmmm ...



    :D :D :D


    Hach, und ein rosarotes Ende dran, majorburns wie sie lebt und schreibt!!

  • Kitty hat es gewusst!!!
    Ich wusste doch, dass ich das schon irgendwo gelesen hatte, dass es wer vermutet hat. Aber ich wusste nicht mehr, wo und wer es war.
    Gratulation, Kitty! Alle Achtung!

  • Sidney waere mir nie so richtig in den Kopf gegangen ... aber das liegt wohl daran, dass er fuer mich, auch wenn ich ihn gern mag, nicht so richtig zum MASH gehoert und mir nie so gleich einfaellt, wenns um FF geht.


    DANKE!

  • ich weis das kommt etwas spät major aber das ist echt eine tolle geschichte ich freue mich eigentlich immer wenn ich eine geschichte mit margaret und hawkeye lese, aber natürlich auch übger die anderen mit malcahy oder radar sogar über frank und charles also das war echt ne tollen ff danke.

    "Be who you are and say what you feel - becaue those who matter don't mind, and those who mind don't matter." - Theodor Seuss Geisel