16. Türchen

  • Fortsetzung zum 14. Türchen. :)



    Nun besuchen wir den Leiter des MASH, Colonel Potter, in seinem Büro. Er hatte uns im Vorfeld die Genehmigung für den Dreh gegeben und nun wollen wir ihn auf keinen Fall außen vor lassen. Denn ohne ihn würde dieses mobile Krankenhaus nicht so reibungslos laufen. Für Sherman Potter wird dieses Weihnachten auf jeden Fall das letzte Fest im Feld sein, auch wenn der Krieg noch länger gehen sollte. In wenigen Monaten wird der Colonel pensioniert und kehrt zu seiner Familie zurück.


    „Colonel Potter, wie denken Sie über ihr letztes Weihnachten in der Army?“
    „Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich sehr freue, dass es nur noch 174 Tage bis zu meinem letzten Tag sind und eigentlich würde ich dieses Weihnachtsfest schon lieber bei meiner Familie verbringen, denn mein Enkel erlebt sein erstes Weihnachten und meine Frau hat schon viele Ideen für die Tage. Aber da ich hier bin, werde ich das Beste draus machen und versuchen, mit den Männern und Frauen aus dem Camp das Fest so gut wie möglich zu feiern.“
    „Wie sieht denn Ihr perfekter Weihnachtstag zu Hause aus?“


    Colonel Potter lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.


    „Wenn ich ehrlich bin, würde ich mit meiner Frau in die Berge fahren, wo Schnee liegt und eine Schlittenfahrt unternehmen. So richtig schön mit einem Pferdegespann vorne weg und eingekuschelt in eine Decke. Ich liebe Jingle Bells, denn dort ziehen Pferde den Schlitten und ich bin vernarrt in diese Tiere. Kennen Sie schon Sophie? Ich habe von meinem Kompanieschreiber eine Stute geschenkt bekommen und sie hilft mir den Stress des Krieges zu ertragen.“


    Clete Roberts kannte Sophie noch nicht und ließ sich die Stute von Potter zeigen, denn auch er fand, dass Pferde großartige Geschöpfe waren. Der Kameramann nutzte die Zeit und wechselte die Filmrolle, damit es weiter gehen konnte.



    Nachdem Roberts sich von Sophie loseisen konnte, machte er sich mit Silbing auf den Weg zum Sumpf.


    Wir stehen hier vor dem Zelt der beiden besten Chirurgen des Camps und wollen mal sehen, ob sie uns herein lassen. Wie ich vom Colonel erfahren habe, haben die beiden Captains eine harte Nachtschicht hinter sich und könnten vielleicht noch schlafen, aber ich hoffe das Beste.


    Clete klopfte vorsichtig an die Tür.


    „Immer herein in die gute Stube.“


    Hawkeye Pierce hatte die Tür geöffnet und strahlte die beiden Männer an. Sie folgten der einladenden Handbewegung.


    „Captain Pierce, Captain Hunnicutt. Vielen Dank, dass Sie beide uns empfangen. Ich hoffe, wir haben Sie nicht gestört.“
    „Sie würden niemals stören, Roberts. Ich habe gerade den Brief meiner Frau ausgelesen und Hawkeye hat immer gefragt, wann Sie uns wohl aufsuchen würden. Aber nun sind Sie ja da und der Captain kann seinen Gedanken freien Lauf lassen.“
    „Sie wirken beide sehr gelassen, obwohl es mit riesigen Schritten auf Weihnachten zugeht und sie immer noch in diesem Land sind. Wie schwer fällt es Ihnen das Jahr hier zu beenden?“
    „Ich denke für BJ wird es sehr schwer, denn er ist zum ersten Mal Vater und hat noch kein Weihnachten mit seiner kleinen süßen Tochter verbringen dürfen. Seine Frau steht mit den Vorbereitungen alleine da und ich würde es toll finden, wenn er bei ihnen sein könnte.“
    „Heißt das, dass Sie nicht gerne zu den Feiertagen bei ihrer Familie wären?“
    „Doch natürlich, aber es geht nun einmal nicht und ich würde es BJ gönnen. Ich persönlich würde einfach die Stille der Nacht genießen und den Song Silent Night im Hinterkopf haben. Mein Vater und ich haben nach dem Tod meiner Mutter nur dieses eine Lied hören wollen, ansonsten blieb das Radio aus. Wir wollten keine schlechte Nachrichten hören und auch keine Werbejingles für den Kommerz. Einfach den Zauber der Weihnacht erleben.“
    „Das ist eine schöne Sache, Captain Pierce. Leider gerät der Sinn des Festes immer mehr in Vergessenheit und so erinnert man sich wieder daran.“


    Roberts richtete sich an BJ, der still neben Hawkeye gesessen hatte.


    „Wie sieht es bei Ihnen aus, Captain Hunnicutt? Was ist Ihr größter Wunsch für das Fest?“
    „Ich habe keinen großen Wunsch, ich möchte nur in einem Stück zu meiner Familie zurückkehren. Ich werde es zwar wahrscheinlich nicht zur Bescherung schaffen, aber der Krieg wird hoffentlich nicht ewig dauern. In den letzten Tagen habe ich mir sehr oft überlegt, was für ein Weihnachtssong zu mir passt, ich habe keinen Favoriten. Aber wie sagt man so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt und daher gibt mir I’ll be home for Christmas dieses Jahr noch ein kleines Fünkchen Hoffnung.“
    „Es ist sehr wichtig, dass man die Hoffnung nicht aufgibt und wer weiß, vielleicht gibt noch eine schnelle Lösung für diesen Konflikt. Ich bedanke mich dafür, dass Sie sich Zeit für mich genommen haben.“


    Die beiden Chirurgen winkten ab, dafür müsste sich Roberts nicht bedanken, das wäre doch Ehrensache und außerdem hatten sie für einen kleinen Moment Abwechslung vom Alltag.



    Clete Roberts verließ den Sumpf und machte eine Kopfbewegung Richtung Hauptgebäude, denn es stand nun nur noch eine Person auf seiner Liste, die er interviewen wollte. Der Reporter klopfte an die Tür zur Schreibstube von Radar und steckte den Kopf hinein. Von seinem letzten Besuch wusste er noch, dass Corporal O’Reilly ein sehr schüchterner junger Mann war, der nicht gerne unvorbereitet gefilmt werden wollte.


    „Corporal? Wir sind jetzt soweit durch und ich wollte wissen, ob Sie sich schon mit meiner Idee anfreunden konnten?“


    Radar schaute von seinen Papieren hoch und bat die beiden Männer herein.


    „Ich weiß nicht so recht, ich bin nicht so der große Redner und eigentlich will auch nicht ins Fernsehen. Aber meine Mum wird sicherlich sehr stolz auf mich sein, wenn sie mich sieht und daher werde ich mitmachen.“


    Roberts nickte und instruierte Radar kurz, wie er sich die Aufnahme vorstellte. Bei den anderen hatte er keine Vorbereitungen getroffen, doch der Kompanieschreiber sollte sich nicht überrumpelt fühlen und so sollte Radar ganz normal seiner Arbeit nachgehen, während er seine Einleitung aufnahm.


    Wir kommen langsam zum Ende unserer Sendung und ich stehe hier in der Schreibstube des Kompanieschreibers. Ohne ihn würde dieses mobile Krankenhaus nicht laufen, hier ist der Knotenpunkt für alle Abteilungen. Hier werden Bestellungen abgegeben, Tagesberichte geschrieben und Telefonate mit dem Hauptquartier geführt. Es ist auch die Anlaufstelle für die Post, die Corporal O’Reilly mit großem Enthusiasmus verteilt.


    „Corporal O’Reilly, wie gehen Sie mit den Anforderungen an diesen Job um? Macht es Ihnen Spaß, hier das ‚Mädchen für alles’ zu sein?“


    Radar legte den Stapel Papiere zur Seite, starrte in die Kamera und musste sich erst einmal öfter Räuspern. Ihm stand der Schweiß auf der Stirn und er bekam zunächst kein Wort heraus. Roberts versuchte ihn zu beruhigen, und sagte ihm, dass er sich alle Zeit der Welt nehmen könnte, der Film würde hinterher geschnitten werden. So atmete Radar mehrmals tief ein und aus und wischte sich über seine Stirn. Dann er war so weit und konnte die Fragen beantworten.


    „Mir machen meine Aufgaben hier sehr viel Spaß und es ist manchmal auch ziemlich stressig. Aber ich habe von Beginn an gelernt, dass man sich keinen Kopf um irgendwelche Anweisungen machen sollte, man sollte sie einfach befolgen. Man hat dadurch weniger schlaflose Nächte und neuen Vorschriften passt man sich schneller an.“
    „Haben Sie eine Lieblingsaufgabe, die Sie gerne machen?“
    „Oh ja, natürlich. Zurzeit verteile ich am liebsten die Post, denn es geht auf Weihnachten zu und die ersten Pakete und Päckchen kommen an. Ich habe dann zwar schwer zu schleppen, aber es freuen sich alle über die Post und so freut es mich auch. Die Weihnachtszeit ist sowieso etwas ganz Besonderes für mich. Ich habe zu Hause immer meiner Mum beim Backen geholfen und meinem Onkel beim Schneeschieben in der Auffahrt. Wenn ich mir eins wünschen könnte, dann würde ich jetzt gerne neben meinem Onkel Ed stehen und auf der Farm helfen.“
    „Gibt es denn für Sie auch ein besonderes Lied, was Sie mit der Weihnachtszeit verbindet?“


    Radar lächelt bei dem Gedanken an sein Lieblingslied selig vor sich hin.


    „Ja, ich mag O Christmas Tree, denn mein Onkel holt jedes Jahr die schönste Tanne des Waldes nach Hause und stellt sie im Wohnzimmer auf. Meine Mutter und ich schmücken sie mit roten und weißen Kugeln und Figuren. Der Baum erstrahlt dann zum Heiligen Abend mit weißen Kerzen. Aber nach den Feiertagen tut mir die Tanne immer wieder leid, weil sie nicht mehr zu ihren Freunden im Wald zurückkehrt, sondern im Ofen verheizt wird.“


    Der Blick von Radar wurde traurig und Clete Roberts fand, dass es Zeit wurde, die Sendung zu beenden. Er bedankte sich für den Einblick in Radars Familientraditionen und wandte sich dann der Kamera zu.


    Meine Damen und Herren nun sind wir am Ende dieser Sendung angekommen und ich möchte Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest wünschen. Die Menschen zu Hause und hier werden an ihre Lieben denken, die nicht bei ihnen sein können und daher wünsche ich mir Frieden auf Erden. Guten Abend.

  • Wirklich eine schöne Fortsetzung, hawkgirl :)
    Die Idee mit den Weihnachtsliedern fand ich auch am besten!

    You have to leave the city of your comfort and go into the wilderness of your intuition. What you’ll discover will be wonderful. What you’ll discover is yourself. (Alan Alda )