24. Türchen

  • 24. Dezember


    Das Personal des 4077th saß bei Kartoffelsalat und Würstchen im weihnachtlich geschmückten Messezelt. Father Mulcahy hatte mit der Hilfe von Corporal Klinger am Tag zuvor eine kleine Korea-Tanne im umliegenden Unterholz gefällt. Sie wurde von den beiden am frühen Morgen liebevoll geschmückt und stand würdevoll neben dem Kaffeespender.



    Peg Hunnicutt hatte ihre Ankündigung aus dem Gedicht wahr gemacht und BJ einen riesigen Karton geschickt, in dem viele kleine Päckchen mit Geschenkpapier und Schleifen umwickelt lagen. BJ freute sich über die Aufmerksamkeiten und hatte den kurzen Brief seiner Frau mit Freude gelesen.


    „Hallo mein lieber Schatz,


    wie du siehst habe ich keine leeren Versprechungen gemacht in meinem Gedicht. Ich möchte allen etwas zukommen lassen, denn durch deine Briefe sind mir die Menschen, die um dich herum sind in Korea, nicht mehr fremd, sondern gehören zu deiner Familie.


    Aus deinen Erzählungen konnte ich mir für jeden etwas überlegen und bevor du dir jetzt Gedanken über die Kosten machst, das brauchst du nicht. Ich habe für einige etwas gestrickt oder aber für kleines Geld etwas erstanden. Die Päckchen haben alle einen Anhänger erhalten, auf denen der Name steht. Vielleicht kannst du diese am Heiligen Abend an die lieben Menschen verteilen.


    Für dich haben Erin und ich auch etwas mit eingepackt und wir beide hoffen, dass es dir gefallen wird und es dir über die Zeit hilft, bis du wieder bei uns bist.


    Leider ist dieser Brief dieses Mal sehr kurz geworden, aber ich habe noch so viel zu tun bis Weihnachten ist und deine Eltern kommen heute noch an. Sie helfen mir bei den Vorbereitungen für die Feier mit den Verwandten von uns. Dein Vater hat sich schon angeboten, mit Erin und mir einen Baum schlagen zu gehen und ich denke, es kann sehr schön werden. Ich hoffe, dass du beim nächsten Fest wieder dabei sein kannst.


    Ich liebe dich vom ganzen Herzen und viele Küsse schicke ich.


    Deine Peg“


    Er hatte die Kiste bis zum Heiligen Abend gut versteckt, denn er wollte es vermeiden, dass Radar schon vorher Wind bekam und es herum erzählte.



    Nun am Heiligen Abend bat BJ um etwas Ruhe, denn er habe etwas zu verteilen. Der Arzt aus Kalifornien zog den großen Karton hinter dem Weihnachtsbaum hervor und holte nach und nach die Päckchen heraus. BJ las die Anhänger laut vor, die genannten Personen waren überrascht und eilten neugierig zu BJ. Als sie ihn fragend ansahen, antworte er nur, dass es von seiner Frau kommen würde, die dieses Jahr den Weihnachtsmann spielte.


    Man schüttelte die Päckchen und raschelte beim Öffnen mit dem bunten Papier der Geschenke. BJ hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, seine Freunde und Kollegen sahen aus wie kleine Kinder unter dem Tannenbaum. Sie hatten ein besonderes Leuchten in den Augen, man hörte Ohs und Ahs, man kicherte über die Geschenke des anderen und inspizierte sein eigenes ganz genau. Peg hatte wirklich an alle gedacht und jeder freute sich über sein persönliches Geschenk.


    Radar hatte Tränen in den Augen, als er einen Pullover und einen Schal für seinen Teddy aus dem Papier wickelte. Peg hatte einen kleinen Zettel dazu gelegt:


    „Lieber Walter,


    von BJ habe ich erfahren, dass du einen ganz lieben Teddy hast und ich habe mir gedacht, dass er jetzt im Winter sicherlich friert. Ich hoffe, der Pullover passt deinem Bären, ich habe den Teddy von meiner Cousine als Muster genommen.


    Ich wünsche dir fröhliche Weihnachten.


    Peg Hunnicutt“


    Der Kompanieschreiber konnte schon auf Anhieb sehen, dass der Pullover passen würde. Colonel Potter, der neben ihm saß, legte dem jungen Mann die Hand auf die Schulter und sagte:
    „Das ist ja ein sehr schönes Geschenk.“
    Radar bekam rote Flecken im Gesicht und musste seinem Chef Recht geben, er fand es auch schön.


    Hawkeye präsentierte ganz stolz seine neue Strickjacke, sie hatte zwei gleich lange Ärmel und saß dem Chefchirurgen wie angegossen. Peg hatte von der anderen Jacke Wind bekommen und hatte sich hingesetzt und gestrickt. BJ musterte seinen Freund von oben bis unten und meinte:
    „Hawkeye, damit kannst du dich jetzt auf jeden Fall sehen lassen.“
    Hawk drehte sich um seine eigene Achse:
    „Du hast Peg bestimmt die Maße gegeben oder?“
    BJ nickte nur, denn er hatte irgendwann einmal davon geschrieben, er hätte aber niemals dran gedacht, dass seine Frau sich noch daran erinnern konnte.


    Klinger hatte ein weiches Päckchen auf dem Schoss und beim Öffnen blitzte schwarzer Stoff hervor und er vermutete, dass Peg ihm Stoff geschickt hatte. Doch als er sein Geschenk komplett ausgepackt hatte, kam ein wunderschönes schwarzes Abendkleid zum Vorschein. Hawkeye pfiff anerkennend und die Anwesenden im Messezelt drehten sich zu Klinger um, der sich das Kleid vor die Brust hielt.
    „Captain Hunnicutt, ihre Frau hat einen sehr guten Geschmack.“
    Das fand auch Margaret Houlihan. Sie hatte eigentlich nie etwas für Klinger übrig gehabt, aber das Kleid umspielte wunderbar seine schlanken Beine. Klinger wusste sofort, dass das kleine Schwarze seine Größe war, damit kannte er sich aus.


    Colonel Potter hatte sich in einem seiner beiden neuen Western fest gelesen, von irgendwem musste Peg erfahren haben, welche Hefte er am liebsten las. Er vermutete, dass Mildred Peg beim Treffen der Familienangehörigen von seiner Vorliebe erzählt hat. Der Colonel war so vertieft in ein Heft, er merkte noch nicht einmal, dass Margaret ein Freudeschrei los ließ.


    Sie hatte in ihrem Päckchen ein paar warme Handschuhe gefunden, nun mussten ihre Hände nicht mehr frieren. Die Handschuhe waren aus dicker Wolle gestrickt und auf ihren Handrücken stand jeweils ihr Name. So konnte niemand ihr diese Handschuhe strittig machen, Margaret zog die Handschuhe gleich an und zeigte sie jedem, der sie sehen wollte. Aber aus der Hand gab sie sie nicht.


    Father Mulcahy war ganz aufgeregt, denn er hatte das größte Paket bekommen und fragte sich, was wohl Peg für ihn hatte.
    „BJ, ihre Frau muss ein Engel sein. Sehen Sie nur, was Sie mir geschenkt hat.“
    Nicht nur BJ sondern auch Margaret und Klinger waren zu Mulcahy rüber gegangen, vor seinen Füssen stapelten sich viele kleine bunte Päckchen und um seinen Hals konnten die drei einen langen Schal erblicken. BJ konnte sich kein Reim auf die vielen Sachen machen, doch Father Mulcahy klärte ihn auf:
    „Ihre Frau hat nicht nur einen Schal für mich gestrickt sondern auch für die Waisenkinder im Waisenhaus. Wenn noch welche fehlen sollten, soll ich nur Ihrer Frau Bescheid sagen. Sie ist eine wirklich nette Person. Möge Gott sie beschützen.“
    BJ konnte sich wirklich glücklich schätzen, dass er so eine liebevolle Frau hatte, sie machte sich nie ein Kopf um sich, sie dachte immer nur an andere.


    Major Winchester wollte sein Päckchen zuerst nicht vor den anderen aufmachen, was soll er schon von einer fremden Frau bekommen haben, die ihn gar nicht kannte. Er wollte sich die Schadenfreude ersparen, die die anderen wahrscheinlich für ihn hatten. Aber nachdem er gesehen hatte, wie viel Mühe sich Peg Hunnicutt bei der Auswahl der Geschenke gemacht hatte, wagte er sich doch an sein Präsent. Seine Augen glänzten, denn er fand Tonbänder vor, die ihm bekannt vor kamen und sein Gefühl wurde bestätigt, denn er konnte die Handschrift seiner Schwester erkennen. Die Beschriftung der Tonbänder verriet ihm, dass sie ihm wohl ihre Lieblingsweihnachtsgeschichte darauf gesprochen hatte. Er schaute sich im Saal um und verließ voller Vorfreude das Messezelt, so dass er die Tonbänder ungestört im Sumpf hören konnte.


    Sein Fehlen fiel nur BJ auf, denn Peg hatte ihm von der Idee erzählt und war hellauf begeistert, denn das würde Charles auf jeden Fall tief im Herzen berühren. BJ selber konnte sich über ein aktuelles Bild von Peg und Erin freuen, es war wunderschön gerahmt. Er vermisste die beiden sehr, doch an diesem Abend waren sie ihm näher als sonst in den letzten Monaten.


    Die Belegschaft des 4077th M*A*S*H feierte den Abend noch ausgelassen, es wurde gesungen, getrunken und gelacht.




    [Blocked Image: http://i298.photobucket.com/albums/mm248/gbpicsde/60a/001.jpg]

  • Das hast Du wunderschön geschrieben, hawkgirl!
    Danke!

    You have to leave the city of your comfort and go into the wilderness of your intuition. What you’ll discover will be wonderful. What you’ll discover is yourself. (Alan Alda )

  • Herrlich.
    Klingers schwarzes Kleid machte mich schon fast ein bisschen neidisch... :D Er hat meistens so tolle Kleider, die ich auch gerne hätte!!!! :D :D :D


    Die Frau muss ja gestrickt haben wie eine Irre, wenn sie sogar für die Waisenkinder was gemacht hat.
    Aber die Geschenke sind wirklich alle wohlüberlegt und passend für unsere Helden. Eine wirklich schöne Geschichte.
    Danke, Hawkgirl.