Verkürzung der Wehrpflicht/des Zivildienstes

  • So, jetzt ist es ja durch der Wehrdienst und der Zivildienst werden auf 6 Monde verkürzt.
    Ist das eigentlich wirklich noch sinnvoll ?


    Die Grundausbildung beim Bund soll in Folge dieser Massnahme auch noch verkürzt werden, also überspitzt gesagt bei mir kommt der Vergleich hoch - Einmal an einer Jahrmarktsbude der Freundin eine Rose geschossen schon hat man die Grundausbildung! Dann noch eben mal auf dem Kinderspielplatz durch´n Sandkasten gerobbt schon hat man die Grundausbildung...
    Was für´ne Armee soll das denn sein ?


    Aber schlimmer finde ich die Auswirkungen beim Zivildienst, wenn Zivis im Gesundheits-/Pflegebereich arbeiten (ich habe mich ja galant aus der Affäre gezogen, war Hausmeister in einem JUZ nachmittags in meine Werkstatt zurückgezogen und dann und wann mal geflissendlich Bier geschlürft und auf den Feierabend gewartet) - gerade angelernt und fit bei ihren Aufgaben dürfen sie dann auch wieder gehen.
    Die Rettungsdienste, Krankenhäuser, Altersheime usw. werden sich echt drüber freuen. *kopfschüttel*

    Man kann die eigene Situation erst wirklich klären und die Ängste auflösen, wenn man sie fühlen kann, nicht aber in Diskussionen darüber. Erst dann hebt sich der Schleier, ...auf der langen Reise, die man angetreten hat.
    Alice Miller

  • Ich bin schon seit langem dafür, den Wehrdienst komplett abzuschaffen. Allerdings wäre das ein herber Schlag, weil dann ja auch der Ersatzdienst wegfällt und dann ist wohl vor Allem das Gesundheitssystem noch schlechter dran, als sowieso schon.

  • Neee, Para ich denke dann hätten wir wieder den Staat im Staat wie in der Weimarer Republik. Wie es werden soll weiss ich auch nicht...
    Und wie meine Voredner schon sagen unser Sozialsystem bricht zusammmen wenn das so weiter geht.....

    Man kann die eigene Situation erst wirklich klären und die Ängste auflösen, wenn man sie fühlen kann, nicht aber in Diskussionen darüber. Erst dann hebt sich der Schleier, ...auf der langen Reise, die man angetreten hat.
    Alice Miller

  • Quote

    Original von Paragraph8
    Ich bin schon seit langem dafür, den Wehrdienst komplett abzuschaffen.


    Ich bin auch für die Abschaffung der Wehrpflicht.
    Was sollen denn die 6 Monate?
    Viele Organisationen die Zivi's angestellt haben, springen jetzt ab und nehmen keine mehr. 6 Monate sind eben zu kurz zum einplanen der Kräfte.

  • 6 Monate ist ein Witz. Zu meiner Zeit ist gerade reduziert worden von 12 auf 10 Monate, mitten in der Grundausbildung ist der Dienst dann auf 10 Monate reduziert worden. Damals fand ich es gut, aber 10 Monate ist ja auch noch ansatzweise vertretbar. Aber in 6 Monaten, wer soll denn da noch was lernen? Weder der Zivi noch der Wehrdienstleistende lernt da was.
    Naja, abschaffen ist sicher das sinnvollste, aber auf der anderen Seite finde ich den Wehrdienst nicht schlecht, ich für meinen Teil möchte ihn nicht missen, vor allem die Grundausbildung. Hatte ne Menge Spaß, Kammeradschaft wurde ganz groß geschrieben und ich habe in den 3 Monaten knappe 20Kg abgespeckt. Viele sagen man lernt was fürs Leben, das ist natürlich Blödsinn, aber die Erfahrungen die man macht können zumindest hilfreich fürs weitere Leben sein.

    "Es gibt einen perfekt logischen Grund, warum der liebe Col. Potter diese Anforderung bis her nicht gesehen hat."
    "Was soll das sein?!"
    "EHAHOLODRIO"


    aus M*A*S*H - Folge 175 - Krank vor Heimweh


    Klinger zu Hot Lips

  • Tatsache ist leider, daß das THW einpacken kann ohne Wehrdienst.


    Ohne Wehrdienst gibt es in 10 Jahren kein THW mehr!
    Und ich rede hier nicht von einem schleswig-holsteinischen Handballclub, sondern von dem hier.

    Take my love.
    Take my land.
    Take me where I cannot stand.
    I don't care, I'm still free
    You can't take the sky from me

    Edited once, last by Leonard_McCoy ().

  • Momentan versuchen die Dienste hier in der Umgebung, die Politik an die Wand fahren zu lassen. Es werden keine Zivis mehr eingestellt. Sogar ein ausgebildeter Rettungssani wurde nicht als Zivi genommen, aus Prinzip. Damit können die das Geforderte nicht mehr leisten und schon ist da die Kakke am Dampfen.


    Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie z.B.: die individuelle Schwerstbehinderten Betreuung weiter gehen soll. Das geht nicht mit zivis die nur 6 monate da sind.

  • Man könnte ja auch den Wehrdienst komplett abschaffen und stattdessen zum Zivildienst einberufen, der dann wieder 9 Monate andauert.


    Der Wehrdienst im Grunde schon lange überflüssig. Kostet nur Geld und bringt nichts.


    Zivildienst hat sich hingegen im Laufe der Zeit etabliert und ist aus dem sozialen System gar nicht mehr wegzudenken.


    Für diejenigen, die keinen Zivildienst machen möchten, wandelt man den Wehrersatzdienst (Feuerwehr, DRK, THW ...) in einen Zivilersatzdienst um.


    Damit wäre der teure und überflüssige Wehrdienst abgeschafft und die sozialen Einrichtungen und Hilfsorganisationen hätten guten Zulauf.


    Natürlich werden hier dann Männlein und Weiblein "einberufen", der Gleichberechtigung wegen.




    Aber das ist wohl doch zu viel Gedankenspielerei.

  • Ich find die Idee auch recht interessant. Vllt. könnte man die ja als Mail an einen Abgeordneten schicken mit der Bitte, sie an die richtige Stelle weiterzuleiten. Obwohl, ob die dann gelesen wird.

  • Ich halte die Idee von Bantam auch schon seit längerem für eine sinnvolle Lösung.


    Das Problem könnte sein, dass der Wehrdienst im GG festgelegt ist. Auch im GG ist festgelegt, dass wer den Dienst an der Waffe verweigert zum Zivildienst einberufen werden kann. Das heißt mit der Abschaffung des Wehrdienstes fällt erstmal der Zivildienst weg und man müsste den Artikel 12a des GG so ändern, dass der Anfang dann lautet:


    Männer (und Frauen?) können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum zivilen Dienst verpflichtet werden.


    Das wird aber jetzt eine ganz schwierige Sache, weil wir usn noch im Bereich der Artikel 1-20 befinden, also den Grundrechten. Und die ändert man nicht einfach mal so nebenbei.


    Außerdem braucht man eine Begründung, warum der einzelne zum Zivildienst herangezogen werden kann. Beim Wehrdienst ist es nunmal die Verteidigung des Landes. Da müsste also beim Zivildienst auch etwas mit Dienst am Land etc. her. Der Begründung, dass alle sozialen Dienstleistungen darauf aufbauen ist zwar richtig, aber wahrscheinlich nicht zulässig.


    Und was macht man mit den Frauen? Gleichberechtigung oder gilt noch die alte Regeln "dafür ziehen die Frauen die Kinder groß" und tragen somit ihren Teil zum Wohl des Landes bei.


    Ich bin - wie gesgat - auch für diese Idee, aber die Umsetztung ist leider nicht so einfach, obwohl es vom gesunden Menschenberstand her sinnvoll ist.

  • Einfach muss die Umsetzung ja auch nicht sein. Alles müssen wir ja unseren Abgeordneten nicht abnehmen, die dürfen sich auch ruhig mal selbst den Kopf zerbrechen. Und gerade der Wehrpflichtsartikel wurde ja auch schon geändert, Frauen dürfen ja jetzt in der Bundeswehr dienen.
    Da ich eh für eine radikale Gleichberechtigung bin, darf der Zivildienst dann auch für Frauen verbindlich sein. Wenn wir ehrlich sind, wurde den Frauen der Wehrdienst ja nicht erlassen, weil sie Kinder kriegen, sondern weil Waffen und Militär "Männersache" waren.

  • Wir führen hier eigentlich zwei Diskussionen.


    Erstens: ist eine Wehrpflicht grundsätzlich angemessen, und wie lange sollte der Wehrdienst dauern?


    Zweitens: ist ein verpflichtender Sozialdienst ein sinnvolles und probates Mittel den steigenden Bedarf an Sozialer Arbeit abzudecken, und währe es nicht konsequenter und gerechter, den Wehrdienst durch einen solchen sozialen Dienst zu ersetzen?



    Ich versuche mich mal an einem sokratischen Dialog:


    Frage: Was ist wichtiger für das Land, die im Rahmen des Zivildienstes erbrachten Leisungen, oder die Leistungen im Wehrdienst?


    Antwort: Die meisten würden sagen, die Leistungen im zivilen Dienst sind erheblich wichtiger.


    Frage: Ist es gerechter von vorn herein eine bestimmte Gruppe von Menschen zu etwas verpflichten, oder ist es gerechter, alle gleichermaßen zu verpflichten, und in Einzelfällen Ausnahmeregelungen zu treffen?


    Antwort: Der vernünftige Mensch würde sagen, Gleichheit macht auch immer etwas Gerechtigkeit aus, daher würder er sich für eine Verpflichtung aller Bürger aussprechen.


    Frage: Besteht für die Gerechtigkeit ein Unterschied zwischen einer Verpflichtung zu einen Dienst, der in zivilen Leistungen besteht und einer Verpflichtung zu einem Dienst an der Waffe?


    Antwort: Eigentlich nur der, dass niemand gegen sein Gewissen zum Dienst an der Waffe gezwungen werden sollte.


    Frage: Wenn in einer Sache nicht über die Gerechtigkeit entschieden werden kann, weil keine der beiden Lösungen gerechter oder ungerechter ist, sollte dann über den praktischen Nutzen für eine größtmögliche Zahl von Menschen entschieden werden, was zu tun ist?


    Antwort: Dieser Meinung wären viele.


    Frage: Ist es also richtig, den Dienst an der Waffe durch einen verpflichtenden Dienst für alle zu ersetzen, da er gleichermaßen gerecht (oder gar gerechter) ist, und darüberhinaus für die Menschen den größeren Nutzen hat.


    Antwort: Ja, das ist es. Streitet man dies ab, kann man sich nur noch auf den Standpunkt stellen, dass ein verpflichtender Dienst für Bürger grundsätzlich nicht gerecht ist. Dann aber wäre es auch der Dienst an der Waffe nicht.

    Faust: Wohin soll es nun gehn?
    Mephistopheles: Wohin es dir gefällt. Wir sehn die kleine, dann die große Welt.

  • Finde ich auch super, deinen Dialog. Und bin auch voll dafür.


    Ich kann mir aber vorstellen, dass eine Großteil der Diskussion über den Punkt geführt wird:


    Darf der Staat Bürger einziehen um zivile Dienste zu leisten.


    Im Moment zieht er die Bürger ja zum Wehrdienst ein, wer nicht will, macht einen Ersatzdienst. Er zieht ja offiziell niemanden ein um die sozialen Dienstleister zu unterstützen. Das ist zwar ein Produkt des Ersatzdienstes, aber nicht der ursprüngliche Sinn. Glaube, da gibt es durchaus auch Argumente, ich kenne sie nicht, weil ich es so sehe, dass der "Zivildienst" ebenfalls ein Dienst am Vaterland ist, aber dennoch könnte da ein Knackpunkt in der Diskussion sein.

  • @ Capt. Tuttle bzw. dazu:
    Die Sache ist doch die unser soziales System bricht zusammen wenn es nicht die sog. Kriegsdienstverweigerer geben würde, weil das Geld fehlt, für jeden Schei** ist Geld da irgendwelche Banken retten dafür immer oder die Kanzelerin eben mal nach für umsonst nach Südafrika fliegt mit der Bunderwehrflugbereitschaft.


    Ich mein ich habe es doch selbst erlebt, als ich letztes Jahr ein Praktikum in einem "Altersheim" machte, ich wurde auch für Sachen eingesetzt die ich hätte alleine gar nicht machen dürfen. (Medikamenten verabreichen, Morphiumplaster kleben, Patienten heben weil nur zwei kleine Frauen Dienst hatten...). Der Zivi dort auch hin und her am fahren weil Leute zum Arzt bringen oder eben Lebensmittel einkaufen ! Klar Zivis sind auch keine Fachkraft aber wenn das alles abgeschafft wird bricht das alles zusammen !
    Ich mein´auch alte Kumpels von mir in Krankenhäusern "gedient" wie gesagt das Geld für Festanstellungen ist nicht da ! Unser ganzes Sozialsystem bricht halt zusammen wenn es nicht diesen "Zwangsdienst" geben würde !
    Über die Bundeswehr kann man natürlich streiten, aber eine Berufsarmee ich kenne sehr merkwürdige Typen die sich da verpflichtet haben... Wo ich teilweise mich echt frage wer denen denn eine Waffe in die Hand geben kann...
    Und dann natürlich die Angst vor einem Staat im Staat !
    Gab´s ja auch schon mal....


    Meine Meinung ist die "Wehrpflicht" und das Recht zu Verweigern bleibt bestehen und nicht reduziert auf 6 Monate ! Sondern auf vernünftige 12 Monate (ich machte ja damals sogar 15 Monate !) Und dann auch für Mädels !

    Man kann die eigene Situation erst wirklich klären und die Ängste auflösen, wenn man sie fühlen kann, nicht aber in Diskussionen darüber. Erst dann hebt sich der Schleier, ...auf der langen Reise, die man angetreten hat.
    Alice Miller

  • Seien wir doch mal ehrlich: wieviele Wehrpflichtige bleiben nach Ende des Wehrdienstes in der Bundeswehr? Die wenigsten. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass der Wehrdienst die Leute dazu bringt, in die BW einzutreten. Wer das machen will, macht es unabhängig vom Wehrdienst.
    Staat im Staat? Nö, das glaube ich erhlich gesagt nicht. In England und Frankreich funktioniert es doch auch ohne Wehrpflicht. So hoch ist die BW nun wirklich nicht angesehen, außerdem darf sie ja im Inneren nicht eingesetzt werden.
    Der einzige Grund, warum wir die Wehrpflicht noch nicht abgeschafft haben, ist doch dass das Sozialsystem ohne die Zivis zusammenbricht. Von daher finde ich Bantams Lösungsvorschlag eigentlich sehr gut.

  • Aber damals Schäuble als er noch Innenminister war schlug das vor....
    Ich weiss auch nur - ist ja auch Gespräch bei uns der Familie - Bruder ist ja Cop hatte auch über 3 Jahre die Ausbildung mein Vater denkt ähnlich wie ich und wir wissen ja was für Leute zum Bund gegangen sind Leute mit Vorstrafen - und die sollen dann im Inneren eingesetzt werden ? Lasse die Polizei sein - war ja auch nicht immer so der Freund von denen - aber die sind dafür ausgebildet... Klar, habe auch so manche in meiner "Karriere" getroffen, aber im Grossen und Ganzen !

    Man kann die eigene Situation erst wirklich klären und die Ängste auflösen, wenn man sie fühlen kann, nicht aber in Diskussionen darüber. Erst dann hebt sich der Schleier, ...auf der langen Reise, die man angetreten hat.
    Alice Miller