Jonathan Littell - Die Wohlgesinnten

  • [BOOK=Die Wohlgesinnten,3827007380]
    Jonathan Littell#


    Berlin Verlag#


    "Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt dieser Roman, so beginnt Dr. Maximillian Aue, Jurist, Offizier der SS, seine Geschichte. Er erzählt uns von seinem bewegten Leben von Juni 1941 bis zum Kriegsende 1945. er erzählt von der Ostfront, seinen Erfahrungen in den Einsatzgruppen, von dem Massenmord an der jüdischen Bevölkerung. Er erzählt von seinen Erfahrungen in Stalingrad, von seiner Verwundung. Von seiner Genesung und seiner Zeit in Berlin, seinem Aufstieg in den persönlichen Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler. Er erzählt von den Besuchen in Konzentrationslagern, von den Bombenangriffen auf Berlin, von Begegnungen mit Nazi-Größen wie Speer, Eichmann, Heydrich und Himmer. Aber erzählt uns auch von seiner Vergangenheit, von seinem verschwundenen Vater, seiner Mutter, seinem verhassten Stiefvater - und von seiner Schwester, die er mehr als alles andere auf der Welt liebt, obwohl er es nicht darf.#


    Ich selbst#


    "So seht doch, ich bin wie ihr!" ruft die fiktive Figur des Max Aue uns am Ende des Präludiums zu. Und zu dem Zeitpunkt tut man diese Bemerkung noch leichthin ab. Er, ein Nazi, ein Verbrecher, genau wie wir? Unmöglich! Doch jetzt, nach über zwei Monaten, die ich an dem Buch gelesen habe, weiß ich, dass es stimmt. Er ist vielleicht anders als wir, seine Geschichte ist anders, sein Wesen. Aber er ist ein Mensch, und das ist das erschlagende und erschütternde an diesem Mamutwerk. All diese Grausamkeiten, dieser Wahnsinn, die ekelhaften Schilderungen, das Grauen - all das ist real gewesen, menschlich - und deshalb umso schlimmer. Schonungslos werden wir mit den vielleicht schlimmsten Verbrechen der Menschheit konfrontiert - und haben keine Möglichkeit den Kopf abzuwenden. Es gibt eigentlich kaum eine Möglichkeit, das Buch zu beurteilen - ich kann es nicht, vielleicht irgendwann mal. Aber ich glaube, jeder sollte es lesen. Und jeder sollte darüber nachdenken. Den eines kann ich mit Sicherheit sagen: es ist das bewegenste, das aufwühlenste, das erschreckenste Buch, das ich je las - und vielleicht auch das Beste. Gut dass ich die beiden Male, als ich das Buch zugeklappt und es weggestellt hatte, mich wieder zurückgezwungen habe. Denn sonst hätte ich diesbezüglich wohl nie meinen Frieden gefunden.
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    "Das ist die umfangreichste Arbeit meines Lebens. Aber ich gehe abends mit einem Lächeln ins Bett. Und das hat nichts damit zu tun, dass da meine Frau liegt." (Stefan Kuntz)