17. Tuerchen

  • Teil 1


    Teil 2




    „Nur noch zwei Wochen bis Weihnachten“, murmelte Potter in seinen nicht vorhandenen Bart und hoffte im nächsten Moment, dass niemand ihn gehört hatte. Als Kommandant dieser Einheit, noch dazu in seinem Alter gab man sich solchen Sentimentalitäten wie Weihnachten nicht offen hin. Man hatte ein offenes Ohr, aber das war auch schon alles.
    Doch Mulcahys durch die vielen Beichten geschultes Gehör hatte wenigstens ein Wort gehört.
    „Ja, Weihnachten. Gottes Sohn kam auf die Erde“, sagte er laut und schaute sich in der Runde um.
    Potter nickte zustimmend und sah wie BJ den Kopf senkte.
    „Schwer, nicht bei der Familie zu sein, oder BJ“, fragte er in Richtung des jungen Chirurgen.
    BJ nickte.
    „Erins erstes Weihnachten und ich kann nicht mit dabei sein.“
    Alle schwiegen betroffen. Die Stille war angespannt, bis Father Mulcahy weise das Wort ergriff.
    „Wie oft haben sie denn Weihnachten nicht mit ihrer Familie verbracht, Kolonel.“
    Potter kratze sich am Kinn.
    „Dieses Mal wird es das zwölfte Mal sein, da muss ich nicht mal nachdenken. Und glaubt mir“, er sah sich in der Runde um.
    „Es wird nicht leichter die Feiertage ohne Mildred und die Kinder zu verbringen, so wie es nicht leicht für sie ist, auf mich zu verzichten. Aber nichts desto trotz ist es mir eine Ehre und eine Freude in diesem Jahr mit Euch die Feiertage zu verbringen.“
    Er lächelte in die Runde. BJ nickte ihm zu und der Father schenkte ihm sein warmes Lächeln.


    „Verdammt“, rief Potter und klopfte sich aufs Knie.
    „Verzeihung Padre“, sagte er gleich darauf zu Father Mulcahy, der nur lächelnd abwinkte.
    „Jetzt kann doch ohnehin keiner schlafen. Wie wäre es, wenn jeder erzählt, wie man bei sich zu Hause Weihnachten feiert und dann werden wir sehen, was wir am Weihnachtstag auf die Beine stellen können.“
    Und bevor auch nur einer etwas dagegen sagen konnte, hatte er auch schon bestimmt, dass Radar anfangen sollte. Radar sah schüchtern in die Runde der neugierigen Augen, die auf ihn gerichtet waren. Er drückte seinem Teddybären auf den Bauch und wollte gerade den Mund aufmachen um zu beginnen, als Hawkeye ihn neckte.
    „Radar glaubt noch immer an den Weihnachtsmann.
    „Nein, tu ich nicht“, antwortete Radar beleidigt.
    „Und wenn, dann wärs doch auch egal, oder?“
    Potter warf Hawkeye einen vernichtenden Blick zu und tätschelte Radar aufmunternd die Schulter.


    „Bei uns beginnt Weihnachten am ersten Advent. Ma und Onkel Ed putzen das Haus und die Ställe auf Hochglanz, damit alles schön sauber für die Ankunft unseres Heilands ist. Und im Stall wird eine extra schöne Stelle mit ganz frischen und duftendem Stroh eingerichtet. Es wird auch die alte Krippe, die Onkel Ed vor vielen Jahren wieder aufgemotzt hat aufgestellt und frisches Stroh hineingelegt und ein Leintuch. Ma meint, dass wir uns immer daran erinnern sollen, dass der Heiland in einer Krippe geboren wurde und auf diese Weise, wollen wir ihn willkommen heissen. Ausserdem stand immer eine Schüssel mit Brot und ein Krug mit Wasser in der Krippe. Man konnte ja nie wissen, was passieren würde.


    An den Adventssonntagen haben wir immer nach dem Mittagessen zusammengesessen. Ma hat Punsch gekocht und gestrickt, Onkel Ed hat seine Pfeife geraucht und alles war immer sehr gemütlich. Als ich noch kleiner war, habe ich immer gespielt, während meine Ma gestrickt hat. Dann haben wir den Adventsgottesdienst im Radio zusammen angehört. Es war immer ein richtig gemütlicher Sonntag und es war strengstens verboten zu arbeiten. Jedenfalls am Nachmittag. Ausser man bastelte Weihnachtsschmuck. Am 4 Advent hat Ma immer eine riesige Schüssel Popcorn gebrutzelt und auf Fäden gefädelt und ich durfte aus der Schüssel essen.


    Den Weihnachtsbaum hat Onkel Ed immer aus dem Wald geholt. Und als ich alt genug war, durfte ich ihn am 24. Dezember Abends immer mit Ma zusammen schmücken. Aber die Kerzen haben wir immer erst am 25. Dezember angemacht. Als ich noch klein war, war aber immer die Krippe im Stall am spannensten. Ich bin jeden morgen hingelaufen um zu sehen, ob der Heiland schon drinnen liegt. Manchmal hatte Ma ein paar Kekse für mich hineingelegt. Und ich habe sie immer gebettelt, dass ich im Stall übernachten durfte. Aber Ma war da ziemlich streng und ich durfte nicht. Also habe ich mich oft heimlich rausgeschlichen um zu sehen, ob schon etwas in der Krippe liegt. Aber das war dann nie der Fall. Ich glaube Ma ist immer ganz früh aufgestanden, um was für ich in die Krippe zu legen. Einmal wollte ich am 24. Dezember so lange aufbleiben, bis der Heiland kommen würde. Ich bin im Stall eingeschlafen und Ma mus das gemerkt haben und mich zurück ins Bett getragen haben.“
    Radar lächelte träumerisch und alle waren ganz still geworden.
    „Naja“, sagte Radar dann achselzuckend.
    „Jetzt machen wirs immer noch genauso, aber ich schleiche mich nicht mehr heimlich in den Stall. Aber Kekse sind dennoch manchmal in der Krippe zu finden“, fügte er schmunzelnd hinzu.




  • Quote

    Original von majorburns


    „Naja“, sagte Radar dann achselzuckend.
    „Jetzt machen wirs immer noch genauso, aber ich schleiche mich nicht mehr heimlich in den Stall. Aber Kekse sind dennoch manchmal in der Krippe zu finden“, fügte er schmunzelnd hinzu.


    Hihi, ja das ist so richtig Radar!!! :D

  • Schöne Geschichte, da kommen bei mir ein paar sehr alte Weihnachtserinnerungen hoch.

    Life’s a journey. You need friends to enjoy the ride. Celebrating the greatest joy of all – Friendship.