• Ein grauer Morgen erhob sich über die Ebene und es war kalt. Nein Kalt war gar kein Ausdruck dafür, was dort herrschte.
    Es schien auch dieser Person, die in einem kleinen Zelt zusammengekauert lag, egal zu sein. Für sie verging die Zeit
    anders, denn für sie gingen die Tage und Nächte in einander über.


    Raoul wusste dass es irgendwann im Dezember war und auch irgendwann um die Weihnachtstage, jedoch konnte er es nicht
    genauer sagen, da sein Zeitgefühl verloren gegangen war in diesem provisorischem Gefangenenlager der Nordkoreaner. Er
    ist gerade von einer Aufklärungsmission auf dem Rückweg gewesen, als er in die Falle ging. Eine alte Koreanerin hatte
    Hilfe gebraucht und da er ein gutmütiger Mensch ist, hatte er ihr helfen wollen, jedoch hatte er gegen die 3
    Nordkoreanischen Soldaten, welche aus den Gebüschen gekommen waren keine Chance gehabt. Sie hatten ihn niedergeschlagen
    und dabei mindestens eine Rippe gebrochen. Das spürte er beim tiefen Einatmen, doch das war noch nichts gegen die
    Verletzungen, die ihm widerfahren waren, als man ihn immer und immer wieder zum Verhör zerrte. Offene Wunden, welche
    sich langsam entzündeten waren die Folgen, ebenso das steigende Fieber, was sie breit machte. Und seine Hoffnung auf
    Rettung schwand von Minute zu Minute.


    An diesem Morgen zitterte Raoul und schaute hinaus auf den Teil des Lagers, welches er einsehen konnte. Heute ging etwas
    anderes vor als die Routine der Soldaten. Sie erschienen ihm rastlos und aufgeregt. Natürlich verstand er nicht ein
    Wort. Und wenn er es doch gekonnt hätte, so wäre das fieberumnebelte Gehirn nicht in der Lage gewesen es zu übersetzen.
    In der Nacht hatte er nur noch einen Wunsch gehabt. Dieser Hölle zu entfliehen und alles hinter sich zu lassen. Doch
    sein Körper war noch zu Stark, nur sein Geist war zu schwach um weiter zu machen. So dämmerte er in einem Zustand der
    Resignation weg und nahm nichts mehr war, kurz darauf fiel er in die Ohnmacht, denn seine inneren Verletzungen durch die
    Schläge bei seinen Befragungen forderten ihren Tribut.


    So bekam er den Kampf seiner Peiniger gegen seine Befreier nicht mit, welcher nur wenige Minuten später entbrannte.
    Schüsse fielen, Schreie ertönten und dann…. Stille. Die Koreaner zogen sich zurück und überließen der Amerikanischen
    Guerillagruppe das Feld. Sofort entdeckten sie den bewusstlosen Gefangenen und der Sanitäter der Truppe sah ihn nur kurz
    und meinte: „Er muss sofort in ein MASH“.


    Langsam kehrte das Bewusstsein zurück und die Erinnerungen kamen wieder, doch die erwarteten Schmerzen blieben aus.
    Raoul kämpfte noch mit der Dunkelheit in seinem Kopf und versuchte durch den Nebel zu dringen, der ihn einhüllte und
    zurück in die Bewusstlosigkeit locken wollte. Irgendetwas stimmte nicht. Eine angenehme Wärme umhüllte ihn, er lag auf
    einem einigermaßen weichem Untergrund und da war ein Kissen? Wo befand er sich?


    Doktor Pierce kümmerte sich gerade um einen anderen Patienten, als sein bewusstloser Freund sich langsam zu rühren
    begann und kurz darauf völlig verwirrt die Augen öffnete und sich schnell umblickte. „Hey Kumpel, ich dachte schon du
    möchtest den Weihnachtsmorgen verschlafen,“ sprach er und ging zu ihm hinüber, setzte sich auf die Ecke des Feldbetts
    und legte den Kopf leicht schief. „Du hattest Glück gehabt, dass die Jungs dich noch rechtzeitig gefunden haben. So ein
    Flickwerk habe ich für die nächsten Tage nicht erwartet, als es hieß, dass wir einen Waffenstillstand zu Weihnachten
    haben sollen.“ Raoul blickte den Arzt an und seufzte erleichtert. „Ich bin also nicht gestorben und bin auch nicht mehr
    bei den Nordkoreanern?“ Pierce schüttelte den Kopf. „Nein, weder das eine noch das andere. Aber du wirst mit dem
    nächsten Flug nach Hause zurückkehren. Betrachte das als mein Weihnachtsgeschenk.“ Raoul atmete tief durch und zuckte
    kurz zusammen. „Vorsicht. Du wirst noch einige Tage flach atmen müssen, wenn du es dir einfacher machen möchtest.“ Er
    nickte nur und antwortete: „Danke Doc.“ Pierce zwinkerte ihm kurz zu und er selbst schlief wieder ein. Erleichtert und
    zu frieden. Leise murmelte er noch. „Danke lieber Weihnachtsmann.“





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    ich hoffe es gefällt euch