8. Türchen


  • Mein Lieber Francis,


    wie gerne wäre ich bei Dir und würde mich einfach mit dir unterhalten. Weißt du noch, wie wir vor Weihnachten mit unseren Eltern vorm Feuer saßen und Mum mit uns bastelte oder Dad uns Geschichte vorlas. Aber Du bist in Korea und dein letzter Brief macht mir Sorgen. Du schreibst, dass Du fast allen Mut verloren hast. Dass alles immer nur noch schlimmer wird. Dass dein Leben und Wirken hier sinnlos ist, denn du bist kein Arzt und rettest keine Leben und dass für die Armen und Weisen nie genug da ist, dass du dich so sehr abmühen kannst wie du willst und es doch nie ausreicht.


    Francis, ich will nicht erst versuchen zu schreiben, dass ich weiß wie du dich fühlst. Darum möchte ich dir eine Geschichte erzählen und vielleicht erinnerst du dich an sie, denn Dad hat sie uns einmal erzählt als wir an einem traurigen Novemberabend zusammensaßen:


    Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: "Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte er sich, "und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich - und ich mich selbst am wenigsten." So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.
    Währenddessen läuft draußen in der kalten Nacht ein Klümpchen Wachs in der beängstigenden Dunkelheit verzweifelt umher. "Für eine dicke Weihnachtskerze bin ich viel zu klein" jammert es "und wärmen kann ich kleines Ding alleine auch niemanden. Um Schmuck für eine tolle große Kerze zu sein, bin ich zu langweilig. Ach was soll ich denn nur tun, so alleine in der Dunkelheit?"
    Da kommt das kleine Klümpchen Wachs am Häuschen des Baumwollfadens vorbei! Und da es so sehr fror und seine Angst so riesig war, klopfte es schüchten an die Türe. Als es den niedergeschlagenen kleinen Baumwollfaden sah, kam ihm ein wundeschöner Gedanke. Eifrig sagte das Wachs: "Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine große Weihnachtskerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab' dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!"
    Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht des Baumwollfadens und er wurde plötzlich ganz glücklich. Er tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn."
    Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu leuchten?!


    Vielleicht fühlst du dich wie ein kleiner Baumwollfaden an, aber ich weiß, dass du mehr bist. Du bist es, der den Kindern mit dem bisschen Essen und Wärme die du ihnen geben kannst Licht ins Dunkle bringst und der das Camp zusammenhält, wenn alle müde und erschöpft sind. Und vergiß nicht, was unser Priester uns immer gesagt hat, wenn er uns ermahnte gut zu den Menschen zu sein. Jesus sagt: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir selbst getan".


    Also Francis. Lass den Kopf Inch hängen und ich hoffe nächstes Weihnachten können wir endlich wieder gemeinsame vor dem Kamin sitzen, Marschmallows rösten und mit Mum und Dad Weihnachtslieder singen.


    In Liebe deine Schwester Angelica

  • Mir gefällt sie auch die Geschichte, und sie ist wunderbar MASHig "verpackt".
    Vielen Dank für dieses Türchen.



    Wieso finde ich den Thread nicht mehr, wo steht, wer welches Türchen macht? Ich wollte mal gucken, ob ich heute dran bin, oder nicht...
    Weiß jemand, in welchem Unter-Forum der versteckt ist?