18. Türchen

  • Hawkeye und Trapper saßen im Sumpf und langweilten sich. Es gab im Camp einfach nichts zu tun, wenn es keine Verwundeten gab. Sie lasen ausgelesene Magazine und warteten auf die nächste Essenszeit.


    Als die ersten Klappergeräusche aus Richtung des Messezeltes kamen, richteten sie sich langsam auf.
    "Wir können ja schon mal rübergehen. Das Büffet wird gerade eingerichtet", schlug Trapper vor.
    "Ja, der monotone Gang zum Messezelt unterbricht die Monotonie hier drin", stimmte Hawkeye zu.


    Als sie aus dem Sumpf heraus traten, sahen sie schon eine Menschentraube vor dem Messezelt. Es schien als wären sie nicht die Einzigen, denen langweilig war.
    Sie reihten sich also ein und warteten, dass die Türe geöffnet wurde.


    Gerade war eine Ladung frisches Gemüse eingetroffen, und so freuten sich alle auf frischen Salat. Einmal nichts schlappes, braun Gewordenes, keine weichen Möhren, sondern etwas, das zwischen den Zähnen noch knackt.


    Doch als sie endlich vor den Töpfen standen, mussten sie feststellen, dass der Koch irgendwie alles gekocht hatte. Fantasielos und ohne Würze. Selbst das frische Weißkraut war einfach nur gekocht. Nicht mal als Sauerkraut eingelegt.


    "Das darf doch nicht wahr sein!" schrie Hawkeye auf.
    Sofort verstummte das ganze Camp. Alle erinnerten sich an seinen letzten Aufstand, als er sich beschwerte, dass es immer nur Leber und Fisch gab.
    Was würde jetzt passieren? Würde er wieder über die Tische springen? Den Koch mit dem Kopf in den Topf stoßen?


    "Ich fasse es nicht", wetterte er weiter. "Da kommt ein halber Lastwagen frisches Gemüse ins Camp, und du schmeißt das einfach alles so in kochendes Wasser! Und überkochst es auch noch. Das kann ein 100-jähriger Koreaner ohne Zähne essen!"


    "Mach's doch besser", sagte der Koch gelangweilt.
    "Das werd ich auch", erwiderte Hawkeye und stiefelte hinüber in die Küche.
    Trapper folgte ihm.
    "Was wirst du tun?", fragte er.
    "Hier sind noch ein paar Köpfe Weißkohl. Ich mache uns jetzt einen Coleslaw, bevor dieser Banause auch noch die Vitamine aus dem letzten Blatt herausgekocht hat..."


    Trapper schaute ihn an. Dann verdunkelte sich sein Blick.
    "Das heißt, du weißt, wie man Coleslaw macht?"
    "Ja, das ist ganz einfach", sagte Hawkeye selbstzufrieden.
    "Du weißt wie man Coleslaw macht, und dann hast du keinen gemacht, als wir vor einigen Monaten diese Rippchen aus Chicago bestellt haben???"
    "Ermmmm.... ermmmm", sagte Hawkeye, und guckte seinerseits etwas dumm aus der Wäsche. "Daran hab ich damals gar nicht gedacht. Irgendwie war das in der Aufregung über die Rippchen nicht auf meinem Schirm."
    "Ich fass es nicht", schüttelte Trapper den Kopf. "So viel Aufregung wegen des vergessenen Krautsalats, und dann hätten wir ihn selber machen können!"


    "Jaaaa, wenn wir Weißkohl und Möhren gehabt hätten", rettete Hawkeye die Situation für sich.
    "Hätten wir bestimmt gehabt", maulte Trapper. "So, und nun gib mir mal das Rezept, falls dein Hirn mal wieder einen Ausfall hat, und ich mit meinem Superhirn einspringen muss."


    "Ja, Superhirn!" lachte Hawkeye. "Klar, geb ich dir. Willst du mitschreiben, oder kann sich Superhirn das merken?"
    "Ich merks mir. So schwer kann das ja nicht sein."
    "Ok, also: Du fängst mit dem Kleinschneiden eines Weißkohls an. Am besten du scheidest ihn durch, damit du eine gerade Schnittfläche hast.
    Dann säbelst du mit dem Messer immer eine dünne Schicht ab, einen Millimeter oder eine halben Millimeter dick. Dann bekommst du lauter 'Weißkohlfäden'."
    "Boah, was für eine Arbeit, das dauert ja ewig!", meckerte Trapper.
    "Jepp. Du kannst das ganze aber auch in den Zerkleinerer werfen, wenn du einen hast. Haben wir hier aber nicht. Also: SCHNIPPELN!", gab Hawkeye den Befehl, und beide begannen mit großen Messern je einen halben Weißkohl zu zersäbeln."
    Nach etwa einer guten halben Stunde waren sie fertig. Fix und fertig.
    "Das ist ja richtige körperliche Arbeit", monierte Trapper.
    "Hab dich nicht so, für das Ergebnis lohnt es sich aber", erwiderte Hawkeye und schmiss den ganzen Weißkohl in eine große Schüssel.
    "Dann brauchen wir Möhren", fuhr er fort. Bei der Menge Weißkohl würd ich sagen 2 oder 3."
    Er ging zum Gemüseregal und brachte 3 leuchtende Mohrrüben mit.
    "Die sind schön, die nehmen wir. Raspeln!" befahl er, und drückte sie Trapper in die Hand.
    "Moment mal, wieso ich?", beschwerte sich Tapper.
    "Weil ich jetzt die Zutaten für die Soße zusammensuche", antwortete Hawkeye und verschwand.


    Kurz darauf kam er mit einem Glas Mayonnaise und einem Salz und Pfefferstreuer aus dem Messezelt wieder.


    "Und was noch?", fragte Trapper.
    "Nix", grinste Hawkeye. "Das war's. Ich sag doch, ganz einfach."
    "Hm, das ist ja supereinfach. Um so ärgerlicher, dass du zu den Chicagoer Rippchen keinen gemacht hast."
    "Ja, ist ja schon gut", murrte Hawkeye. "Das werd ich mir wohl in 40 Jahren noch vorwerfen lassen müssen..."
    "So und nun sag an", forderte Trapper Hawkeye auf.
    "Ein paar Esslöffel Mayonnaise, ich fang mal mit 4 Löffeln an, es war ein großer Weißkohl."
    "Das soll reichen?", fragte Trapper misstraurisch.
    "Nee, wahrscheinlich nicht, aber ich will nicht zu viel reinmachen, es soll ja nicht da drin schwimmen. Wir machen schrittweise mehr rein, so dass Weißkraut und geraspelte Möhren leicht von der Mayonnaise umgeben sind. Rühr mal anständig durch."
    "Wieso eigentlich ich? Das geht voll auf die Arme, bei der Masse", protestierte Trapper.
    "Weil du mein Lehrling bist, und Lehrlinge machen die Handarbeit. Der Meister delegiert", lachte Hawkeye.
    "Ich glaub dir sind die Mayonnaise-Dämpfe zu Kopf gestiegen", schüttelte Trapper den Kopf. "Rühr, rühr.... Das reicht jetzt aber, oder? Bisschen 'trocken' sieht es noch aus".
    "Ja, dann machen wir nochmal 2 Löffel dran. Rühr weiter!"
    "Mist", quetschte Trapper durch die Zähne und rührte weiter.
    "Komm, du Ärmster, ich kann das gar nicht mit ansehen. Ich löse dich mal ab", erbarmte sich Hawkeye und schob seinen Freund sanft zur Seite.
    Er rührte noch ein paar Mal und gab noch einen Klecks Mayonnaise dazu, dann nahm der den Salzstreuer, schraubte ihn auf und goss etwas Salz in seine Handfläche.
    "So viel?" fragte Trapper erschrocken.
    "Das ist nicht viel, das ist etwa ein Teelöffel, schau!" Er hielt Trapper seine geöffnete Hand hin. "Bei der Menge brauchst du schon ordentlich Salz."
    Er streute das Salz ein und gab auch etwas Pfeffer dazu und rührte wieder.
    "Willst du mal kosten?", fragte er Trapper.
    "Ok, lass mal sehen", nickte der. "Hm. Könnte fast noch mehr Salz ran."
    "Siehste?", sagte Hawkeye zufrieden, "war doch nicht zu viel."
    Er hab noch einmal die Hälfte dazu und rührte wieder. Dann streckte er Trapper den Löffel hin. "Und nun?"
    "Könnte noch.... " Trapper wiegte den Kopf hin und her.
    "Nee lass mal, das muss jetzt erstmal durchziehen", winkte Hawkeye ab. "Wir stellen den jetzt ein paar Stunden in den Kühlraum, und dann können wir immer noch nachsalzen. Wenn wir jetzt zu viel salzen, können wir ihn nachher eventuell wegschmeißen."
    "Ok, dann bin ich gespannt", grinste Trapper und Hawkeye trug die Schüssel zum Kühlraum.
    "In 3 Stunden treffen wir uns wieder hier, dann wird getestet", sagte Hawkeye und beide gingen wieder ins Messezelt.
    Da war das Essen mittlerweile beendet, nur ein paar Scheiben Brot lagen noch herum.
    Trapper und Hawkeye nahmen das Brot und wischten damit die Töpfe aus.
    "Schmeckt nach nix", beschwerte sich Trapper.
    "Ja, absolut geschmacksneutral", stimmte ihm Hawkeye zu, als er sich noch eine Faser Fleisch aus dem Fleischtopf fischte. "Ich muss jetzt mal nach meinem letzten Patienten sehen, wir sehen uns nachher in der Küche", er nickte Trapper zu und verschwand.


    Trapper saß alleine im Messezelt und fasste seinen Nachmittag im Kopf zusammen.
    Weißkohl - dünn schnippeln.
    Möhren - raspeln.
    Mayonnaise - Löffel für Löffel beigeben.
    Pfeffer und Salz - auch nicht übertreiben.
    Warten..., warten...., warten.....
    Sein Kopf senkte sich langsam auf die Tischplatte und er schlief ein.

  • Quote

    Original von majorburns
    gekochter weisskrautsalat? erschiesst den koch!



    Daaaaaaanke fuers Rezept!


    Huch! Das sollte natürlich kein gekochter Weißkrautsalat sein, sondern gekochtes Weißkraut. Aber auch nicht viel besser... :D

  • Danke für Rezept und Geschichte.
    Übrigens gekochter Krautsalat schmeck so lecker, du willst den Koch nicht nur erschiessen sondern gleich noch erhängen und foltern. :( ;)

    Life’s a journey. You need friends to enjoy the ride. Celebrating the greatest joy of all – Friendship.