20. Türchen

  • Lehrstunde mit Captain Pak


    Der erste Winter stand im Jahr 1950 den Streitkräften im Koreakonflikt bevor und die Soldaten und das medizinische Hilfspersonal der amerikanischen Armee würden dieses Weihnachten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu Hause erleben.


    Im 4077th MASH war es nach Tagen langer OP-Schichten etwas ruhiger geworden und die Anzahl der Patienten lief so ziemlich gegen 0. Dies gab es nicht so oft seit Aufbau des Feldlazaretts. Aber wenn es einmal vorkam, nutzte jeder die Zeit auf seine Weise, um sich von den vorangegangenen Kampfhandlungen und dessen Folgen für das Camp zu erholen.


    Die Ärzte Hunnicutt, Pierce und Colonel Potter organisierten am liebsten kleine Pokerrunden mit anderen Mitgliedern des Camps oder mit Besuch von außerhalb, wie Major Freedman oder Captain Pak. Dieses Mal fanden sich neben den Ärzten auch Captain Pak, Corporal Klinger und Father Mulcahy im Sumpf ein.


    „Na denn, wo wir jetzt vollständig sind, können wir auch gleich beginnen. Möchte jemand einen Schluck aus unserer lieben Destille?“


    Da Hawk und BJ ihren Gin selbst destillierten und dieser über die Grenzen des Camps bekannt war, konnte keiner dieses Angebot ablehnen und so gab Hawk die erste Runde vom durchsichtigen Stoff, den einen an diesem Ort am Leben hält, aus. Nachdem jeder sein Glas in Empfang genommen hatte, teilte Colonel Potter die ersten Karten aus.


    „So, dann will ich im Namen aller Anwesenden unseren Gast Captain Pak begrüßen. Sam, es ist eine Ehre, dass du nach so langer Zeit wieder zu uns die Runde gestoßen bist. Ich hoffe auf einen erfolgreichen Abend.“


    Der koreanische Captain nahm seine Karten auf und bedankte sich bei dem Kommandeur.


    „Sherman, es wird mir eine große Freude sein, euch das Geld aus den Taschen zu ziehen. So sagt man das doch bei euch, oder?“


    BJ hatte schon gepasst und die Karten in die Mitte geworfen.


    „Der Ausdruck ist richtig, aber Sie werden es sicherlich schwer haben, besonders gegen unseren Geistlichen. Er hat etwas Großes vor. Nicht wahr, Father?“


    Father Mulcahy, der sich auf seine Karten konzentriert hatte, blickte etwas irritiert den jungen Arzt aus Kalifornien an.


    „Was haben Sie gerade gesagt, BJ?“


    „Sie haben mit dem Gewinn Großes vor.“


    „Naja, so groß wird es wohl nicht, ich habe die letzten Monate einiges Geld bei Ihnen oder auch bei Hawkeye gelassen. Aber dennoch könnte ich jeden Penny gebrauchen für die Waisenkinder von Schwester Meg Cratty. Ich will den Kindern eine kleine Freude machen, auch wenn sie vielleicht mit Weihnachten nicht viel anfangen können.“


    Da schaltete sich Sam Pak ein.


    „Das würde ich nicht so pauschal sagen, Father Mulcahy. Es gibt auch in Südkorea das Weihnachtsfest, zwar nicht vielen Familien. Rund 30 % der Südkoreaner sind christlichen Glaubens und feiern somit auch Weihnachten. Vielleicht nicht in dem Rahmen, wie Sie es auch Amerika kennen, aber der 25. Dezember ist dennoch seit 1945 ein Feiertag in unserem Staat. Zwar noch kein gesetzlicher Feiertag, aber das wird wahrscheinlich auch irgendwann noch geschehen.“


    Dies interessierte die gesamte versammelte Truppe am Tisch und während man die Runde zu Ende spielte, erzählte Sam, wie es dazu gekommen war.


    „Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es hier in Korea eine stärkere Verbreitung des christlichen Glaubens, wobei auch der Buddhismus stark verbreitet ist. Fast 25% der Bevölkerung glauben an Buddha und seine Weisheiten. Aber ich denke persönlich auch, dass die amerikanische Hilfe bei der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft eine große Rolle dabei gespielt hat, dass wir in Korea das Weihnachtsfest feiern.“


    Hawkeye, der den ersten Pott vom Abend gewonnen hatte, genehmigte sich noch einen Gin.


    „Ich wusste gar nicht, dass man in Asien Weihnachten feiert. Gibt es denn dann auch Santa Claus, der die Geschenke an die Kinder verteilt?“


    Während Pak nun als Kartengeber an der Reihe war, beantwortete er die Frage der Chefchirurgen.


    „Es gibt auch bei uns einen Weihnachtsmann, der aber offiziell Santa Hareboji genannt wird. Was in Ihrer Sprache so viel heißt wie Großväterchen Santa. Aber bei uns sind Geschenke nicht üblich in Korea und wir schmücken auch unser Heim nicht so aufwendig wie die Amerikaner. Es wird sogar versucht eine Christmette abzuhalten, die meist aber so gut besucht ist wie die Messe von Father Mulcahy. Entschuldigen Sie den Vergleich.“


    Der Campgeistliche winkte mit einem gutmütigen Gesichtsausdruck ab.


    „Es ist keine Entschuldigung nötig, Captain. Ich weiß ja selber, dass die Moral in Sachen Glauben in diesem Camp nicht so hoch ist, aber ich habe einen Stammbesucher in Corporal Klinger gefunden.“


    Der betreffende Corporal saß an diesem Abend in einem weißen Cocktailkleid im Sumpf und hatte eine Feder in den Haaren, wie es in den 20ziger Jahren so üblich war.


    „Ich komme sehr gerne zur Ihren Predigten, Father. Da bekomme ich die Möglichkeit die neusten Kleider anzuziehen und sehe immer gut aus.“


    Dies musste der Father wirklich zu geben, denn Klinger hatte einen guten Geschmack bei der Kleiderwahl. Aber jetzt wollte der Colonel noch eine Kleinigkeit von Captain Pak wissen.


    „Sam, gibt es denn auch eine koreanische Übersetzung für das Wort Weihnachten auf Koreanisch?“


    „Natürlich Sherman. Wir bezeichnen Weihnachten in unserer Sprache als Gidok-Tansini, der Geburtstag des Christentums. Wir besuchen an dem Tag oft Ältere und Kranke in den Krankenhäusern, so dass wir auch an diese denken. Aber nun Schluss mit der Lehrstunde, lasst uns pokern.“


    Das ließen sie sich alle nicht zweimal sagen und so spielten die Sechs noch bis in den frühen Morgen. Am Ende war das Geld ziemlich gerecht verteilt worden, doch bevor sich alle voneinander verabschiedeten, machte Hawk eine Geste der Großzügigkeit.


    „Da mir bei dem Wetter schon ganz weihnachtlich ums Herz geworden ist, möchte ich meinen kleinen bescheidenen Gewinn an Father Mulcahy spenden für die Waisenkinder. Ich hoffe, die Kinder werden ein schönes Fest haben.“


    Der Father war ganz sprachlos von der Sache und konnte nur ein „Danke“ stammeln, er selber hatte nur seinen Einsatz wieder bekommen gehabt. In diesem Sinne sollte es ein schöne Überraschung für die Kinder geben.