13. Türchen

  • Es war Mitte Dezember im Korea und Radar O’Reilly hatte die Post entgegen genommen und sortierte nun die Päckchen und Briefe, die angekommen waren. Ein großes Paket war für ihn selbst bestimmt, aber die Handschrift des Absenders gehörte zur Frau des Colonels. Er war sich nicht sicher, ob es wirklich für ihn war oder doch für den Colonel.
    Er nahm sich vor das Paket erst einmal stehen zu lassen und die Post der anderen zu verteilen. Danach könnte er sich in Ruhe um das Geheimnis dieses Kartons kümmern. Vielleicht war dort eine Weihnachtsüberraschung für Colonel Potter enthalten. Es waren nicht mehr viele Tage bis zum Weihnachtsfest und es kamen immer mehr Weihnachtspost für die Campbewohner an.
    Der Kompanieschreiber schulterte seine Posttasche und machte sich zuerst auf den Weg zu den Offiziersunterkünften. Beginnen würde er wie immer bei Colonel Potter, der schon sehnsüchtig auf einen Brief seiner Frau wartete. Dank des Wetters und des Krieges kamen Briefe nur sehr unregelmäßig an.

    „Radar ist heute etwas von meiner Frau dabei?“
    Colonel Potter saß auf seinem Bett und musterte den jungen Mann vor ihm.
    „Nein, Sir. Nur 2 Meldungen vom Hauptquartier, die ich Ihnen mitgebracht habe.“
    Sherman Potter knurrte in seinen nicht vorhandenen Bart.
    „Merkwürdig, sehr merkwürdig. Sonst ist doch immer ein Brief meiner Frau dabei, aber nun schon seit 10 Tagen keiner mehr. Radar, machen Sie mir ein Verbindung nach Hause, wenn Sie von ihrer Runde zurück sind.“
    „Ich werde es versuchen, Sir.“
    Auch wenn er jetzt schon wusste, dass es zur Zeit unmöglich war, Potters Frau aufzufinden. So kurz vor Weihnachten war sie viel unterwegs bei Basaren und bei Freunden zum Kaffee.

    Radar zog weiter in Richtung Sumpf. Hier waren die so genannten Sumpfratten zu Hause. Captain Pierce, Captain Hunnicut und Major Winchester hatten sich gerade in den Haaren wegen einer Nichtigkeit.
    Eigentlich platzte Radar nur ungern in so eine Situation, aber er hatte nun einmal seine Aufgabe und diese nahm er wie jede andere Tätigkeit sehr ernst.
    „Guten morgen Sirs. Ich habe Nachrichten aus der Heimat für Sie.“
    Schon wurde es schlagartig ruhig zwischen den Streithähnen. Aber Major Winchester bluffte Radar sofort an.
    „Wurde ja auch mal Zeit, dass wir wieder Post bekommen. Ich werde noch mit den zwei Kretins vollends verdummen, wenn ich nicht sofort meine Zeitungen aus Boston zu lesen bekomme oder immerhin ein Brief meiner Mutter.“
    Radar übergab dem Major ein Bündel Zeitungen. Dann wandte er sich Hawkeye und BJ zu, die es sich auf ihren Pritschen gemütlich gemachten hatten.
    Für Hawk gab es seine monatlichen Magazine, über die er sich diebisch freute.
    „Yummi, die Dezemberausgabe des Sportmagazins. Uih. Da wird einem gleich ganz warm ums Herz, wenn ich mir die Schneehasen anschaue.“
    „Hawk, du bist unverbesserlich. Aber während du die leicht bekleideten Mädels anschmachtest, werde ich hoffentlich gleich lesen können, was Peg mit Erin zu Weihnachten machen wird.“
    „Tut mir leid, Captain Hunnicutt. Ein Brief von Ihrer Frau ist nicht dabei, aber dafür eine Karte ihrer Eltern.“
    „Hm. Danke, Radar. Die waren bestimmt wieder in Seattle oder so und senden Grüße.“
    Der Captain nahm geknickt die Karte entgegen. Er hoffte, zu Hause war mit seinen Mädels alles in Ordnung.

    Weiter ging die Runde zu Major Houlihan und Father Mulcahy. Margeret Houlihan war nicht ihrem Zelt anzutreffen, so legte Radar ihr Päckchen vom Versandhaus auf ihr Bett.
    „Was sie sich wohl wieder bestellt hat. Vielleicht eine neue Peitsche für ihre Spielchen.“
    In Gedanken versunken verließ er das Zelt des Majors.

    Bei Father Mulcahy hatte er mehr Glück. Mulcahy saß an seinem Schreibtisch und bat Radar hinein, als dieser klopfte.
    „Guten morgen, Father. Ich habe Post von ihrer Schwester für Sie. Ich hoffe, ich störe nicht.“
    Mulcahy lächelte besonnen und stand auf.
    „Keineswegs. Ich habe gerade nur nach gedacht, wie ich es allen Menschen hier etwas einfacher machen kann zu Weihnachten, wenn sie nicht bei ihrer Familie zu Hause sein können. Aber das ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn keiner zu mir kommt um zu reden, was er oder sie vermisst.“
    „Ich kann Ihnen nur sagen, dass es gerade für die meisten etwas schwierig ist, weil sie keine Post von zu Hause bekommen. Vor allem BJ und Colonel Potter nehmen es anscheinend sehr schwer. Wobei ich muss gestehen, dass ich heute Colonel Potter angeschwindelt habe.“
    Mulcahy machte große Augen, ging an seinen Schreibtisch und suchte in einer Schublade des Tisches alles notwendige für eine Beichte heraus.
    „Setzen Sie sich, Radar. Wir können gleich über Ihre Sünde sprechen.“
    Doch Radar wartete gar nicht erst, sondern berichtete dem Geistlichen von seiner Lüge, dass es keine Post für Colonel Potter von seiner Frau gab, obwohl ein Paket von eben dieser auf seinem Schreibtisch stand.
    „Hm, aber das Paket ist ja nicht an den Colonel adressiert oder?“
    „Nein, Father. Es ist an mich gerichtet. Ich weiß bisher noch nicht was drin ist und was ich jetzt machen soll. Ich fühle mich furchtbar wegen der Lüge, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es sich um eine Überraschung handeln könnte für den Colonel.“
    „Sie brauchen sich keine Gedanken machen, Radar. Es war keine Unwahrheit. Es war keine Post für den Kommandeur. Wenn Sie nachher Zeit haben, werden Sie das Paket öffnen und dann können Sie immer noch entscheiden, ob es falsch war nichts zu sagen. Aber ich glaube, es wird eine gute Sache sein, was Mildred Potter geschickt hat.“
    „Danke, Father. Ich werde Sie wissen lassen, was ich gefunden habe. Bei Ihnen ist ein Geheimnis bestimmt sicher.“
    „Natürlich, Radar. Sie können jederzeit zu mir kommen.“
    Der Corporal bedankte sich und verließ kurz danach das Zelt um seine Runde schnell zu beenden, bevor sein Kommandeur das Paket noch entdecken würde.

    Der Rest des Camps freute sich über die Briefe und Pakete aus den Staaten, denn sie hatten von ihrer Familie genug zu lesen und zum Auspacken bekommen. Zufrieden machte sich Corporal O’Reilly auf den Weg in seine Schreibstube, er würde nun endlich bald erfahren, was Mildred Potter ihm geschickt hatte.

    Fortsetzung folgt.

  • Eine schöne Geschichte.Bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.

    Ich leg mein Haupt nun auf ein Kissen und hoff den Schlaf zu finden den ich brauche,und hoff ich muß des Nachts nicht pissen, drum
    schließe das Ventil im Bauche.
    (Father Mulcahy)

  • Folter!!! Jetzt muss ich wieder warten wie es weiter geht. Das hasse ich.


    Ansonsten gefällt mir die Geschichte und ich liebe Radar. :-)

    Life’s a journey. You need friends to enjoy the ride. Celebrating the greatest joy of all – Friendship.

  • Ein sehr schöner Start einer Deiner tollen Geschichten.


    Jetzt musste ich doch mal flux lauer, wann Du wieder dran bist, denn ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung!!!