21. Türchen

  • [Sorry, dass das 21. Türchen erst so spät kommt, aus technischen Gründen habe ich mit Jesse getauscht.]


    Fortsetzung vom 14. Türchen.


    Colonel Blake war damit beschäftigt, die Bänder von bunten Sternen, die er in einem dicken Brief von zu Hause erhalten hatte, auseinander zu sortieren. Er war so konzentriert, dass er gar nicht hörte, wie Radar eintrat und erschrak, als er den Kompanieschreiber plötzlich vor sich sah.


    „Radar! Sie sollen mich doch nicht immer so erschrecken,“ fuhr er ihn ermahnend an.


    „Entschuldigung, Sir. Ermmm… ich wollte sie mal etwas fragen, wo doch Weihnachten und so vor der Tür steht.“


    „Hm, ja,“ brummte Henry abwesend und sortierte weiter seine Bänder, die ziemlich verknotet waren.„Also“, begann Radar, „ich hab da so eine Idee. Da ja Weihnachten ist, und wir nicht zu Hause sind und Geschenke machen und empfangen könnten, dachte ich wir machen unser eigenes Weihnachten. Jeder im Camp bereitet ein kleines Geschenk für eine andere Person vor. Die Geschenke werden dann alle im Messezelt abgegeben und dort auch ausgeteilt. So macht jeder ein Geschenk und erhält auch eins.“


    „Verdammt!“ fluchte Henry.


    „Bitte, Sir?“ Radar schaute verwirrt.


    Henry brummte: „Diese blöden Bänder sind total verknotet, wie kann das in so einem Briefumschlag passieren?“


    „Sir, wenn Sie möchten, kann ich Ihnen dabei helfen, ich bin gut im Knoten Lösen. Was halten Sie von meinem Vorschlag, Sir?“, fragte Radar.


    „Welchen Vorschlag?“ Henry schaute zu Radar auf.


    Radar seufzte und erklärte alles noch einmal. Der Colonel hörte diesmal interessiert zu und legte den Kopf leicht auf die Seite. Das war ein Zeichen für Radar, dass er es noch nicht ganz verstanden hatte. „Wie weiß man, wer welches Geschenk bekommt?“ fragte er.


    „Man weiß es eben nicht,“ sagte Radar. „Das ist ja der Spaß. Da aber jeder eine kleine persönliche Sache mit hineinlegt, kann man hinterher raten, von wem es kommt.“ Natürlich kann man auch tauschen, wenn es am Ende nicht passt. Wenn zum Beispiel Dr. Pierce eine Haarnadel bekommt oder eine Krankenschwester eine Zigarre.“


    „Pierce würde die Haarnadel wie eine Trophäe durchs Camp tragen, passt schon,“ erwiderte Henry kopfschüttelnd. „Gut, dann machen wir das so. Ich rufe eine Versammlung im Messezelt ein, und Sie erklären Ihr Vorhaben den anderen. Dann werden die es sicher besser verstehen, als wenn ich das erkläre.


    “Die Hauptversammlung für alle Campbewohner wurde eilig einberufen und es waren bis auf wenige Ausnahmen auch alle da. Das Messezelt war brechend voll. Henry eröffnete die Versammlung mit den Worten, „Camp, Radar hat da eine Idee.


    “Und nachdem Radar alles möglichst genau erklärt hatte, schwirrten dutzende von Stimmen durcheinander. „Wie soll man denn …?“ „Tolle Idee!“ „Basteln? Auch das noch…!“ „Ich hab doch gar keine Zeit…“ „Wie schön, richtige Weihnachtsgeschenke!“


    „Ok, Camp. Eure Aufgabe ist nun was zu sammeln und was zu Basteln. Husch, husch, und los!“ bestimmte Radar mit einer schiebenden Handbewegung. Das Zelt leerte sich langsam. Stimmen schwirrten durcheinander.


    Draußen liefen viele mit dem Blick auf dem Boden durchs Camp. Einige hoben Blätter auf, hielten sie gegen das Licht und warfen sie wieder zurück. Andere starrten vor sich hin. Von kreativer Betätigung hatten sie nichts gehört, als sie einberufen wurden…


    Radar verteilte seine Schuhkartons im Camp, Schnüre zum Zubinden und legte an strategischen Orten Kleber, Scheren, Papierbögen und bunte Bänder aus, die er im Vorfeld erstanden hatte.


    In den nächsten Tagen strichen alle geheimnisvoll durch das Camp. Es entwickelte sich eine Atmosphäre wie zu Hause als Kinder, wo die Eltern vor Weihnachten geheimnisvolle Dinge taten. Irgendwie war es spannend. Als dann die ersten gefüllten Schuhkartons im Messezelt eintrafen, hielt es selbst Radar vor Spannung kaum noch aus. Am liebsten hätte er in jeden der Kartons geschaut, mit der Begründung, dass er als Organisator überprüfen musste, ob alles den Regeln entsprach. Aber er konnte sich zurückhalten. Am Heiligen Abend war eine ganze Wand des Messezelts mit Schuhkartons vollgestellt. Jeder hatte etwas abgegeben und trotz der ursprünglichen Skepsis waren nun alle aufgeregt.


    Der Weihnachtsmorgen war ein stiller Morgen, und irgendwie waren nun alle in festlicher Stimmung. Beim Eintritt ins Messezelt bekam jeder einen Karton von Radar einen Weihnachtsgruß und einen Schuhkarton. „Wer seinen eigenen erhalten hat, bekommt natürlich einen neuen,“ erklärte er immer wieder, aber es klappte wunderbar und niemand erhielt seinen eigenen Karton zurück. Es war ganz entzückend, was da an Ideen entstanden waren. Da waren viele Tannenzapfen-Männchen, denn Tannenzapfen gab es zu Hauf rund ums Camp. Es gab Schneemänner aus Mullbinden-Bällchen. Jemand hatte einen Engel aus Gips geformt und ein anderer einen Schlitten aus Zungenspateln. Alle waren damit beschäftigt sich die Ergebnisse der anderen anzuschauen oder persönliche Gegenstände zu tauschen oder zu bewundern. Es war eine berauschende Atmosphäre, und so manch einer vergaß, dass er sich mehrere tausend Meilen von zu Hause entfernt befand.


    Radar stand am Rand und strahlte über das ganze Gesicht. Colonel Blake trat neben ihn und legte seinen Arm um Radar. „Hier ist noch ein Karton, ich glaube, der ist für Sie,“ sagte er lächelnd und überreichte Radar den letzten Schuhkarton. Radar zog verlegen die Schultern hoch als er den Karton entgegen nahm. Darin befand sich eine Miniatur-Blockütte aus Ästen für Radars Meerschweinchen und ein Angelhaken mit 3 bunten Federn…

  • Eine Blockhütte fürs Meerschweinchen, süüüß.
    Eine schöne Geschichte und so kreativ in jeder Beziehung.

    Life’s a journey. You need friends to enjoy the ride. Celebrating the greatest joy of all – Friendship.

  • Wow, sehr schön!!


    Ich musste tatsächlich kurz zurückschauen zum 14., weil Radar dieses Jahr der Weihnachtsengel in olivgrün scheint zu sein, um zu wissen was er diesmal ausgedoktort hat.
    Daher bestimmt auch sein "Husch, husch". ;-)


    Henry trifft natürlich Hawkeye perfekt mit sein 'Trophae'. Beim 'anderen starrten vor sich hin ' hatte ich gleich Igor vor Augen.
    Und am Ende das mit sichselber zufriedene Gesicht von Henry als er Radar Karton überreicht!


    Also wieder nah an den Serienstimmung dran, Top!